Laufende Nummer: 20/2026
Name: Engelbertchen
Datum Einlieferung: 24. Januar 2026
Datum Auswilderung: 16. März 2036
Auswilderung Fundort: JA
Spende vom Finder: 50,-
Befund: 670 Gramm schwerer, männlicher Altigel.
Untergewichtig.
Schwere Stirn- und Nackenverletzung, Verletzung rechtes Ohr, wahrscheinlich durch elektr. Säge.
Verdacht auf Systemmykose.
Engelbertchen, so wie wir den ersten Igel des neuen Jahres genannt haben, ist ein Altigel. Er wog 670 Gramm und hatte eine sehr schwere Kopfverletzung, auch sein halbes rechtes Ohr fehlte. Die Wunde war schon älter. Zum Glück war es schon seit Wochen so kalt, dass keine Fliegen, die sofort ihre Eier auf ihm abgelegt hätten, mehr unterwegs waren. Außerdem hatte er eine mittelschwere Systemmykose – also Hautpilz und Milben. Gegen die Milben habe ich ihm Dectomax gespritzt. Dectomax braucht allerdings mindestens 30 Tage (abhängig vom Fettgehalt eines Igels), bis es verstoffwechselt ist. In dieser Zeit darf ein Igel bspw. nicht in den Winterschlaf fallen, da das Dectomax dann die Leber schädigen könnte. Weil seine Kopfwunde aber mindestens einen Monat benötigen würde, bis sie ganz verheilt wäre und er vorher eh nicht in ein Gehege für den kontrollierten Winterschlaf könnte, machte ich mir wegen des Dectomax keine Gedanken.
14.02.2026 / 898 Gramm: Kopfzerbrechen bereitete mir der Pilz. Zur Behandlung muss ich einen Igel alle 4 Tage in Imaverol baden – und zwar auch den Kopf. Gerade im Gesicht hatte Engelbertchen nämlich auch den stärksten Pilzbefall.
Wegen der schlimmen Kopfverletzung war das Baden aber in den ersten Wochen keine Option. Stattdessen bepinselte ich sein Gesicht mit etwas verdünnten Imaverol und sprühte den restlichen Körper damit ein. Sein Gesicht beträufelte ich zudem noch mit Nystaderm Suspension.
22.02.2026 / 981 Gramm: Auf diesem Foto sieht man sehr schön die schuppige Haut im Gesicht mit dem Pilzbefall und einen Teil der noch nicht verheilten Wunde links. Hier wog Engelbertchen schon wieder stolze 981 Gramm.
Und natürlich wurde auch sein Kot untersucht. Engelbertchen hatte aber nur einen leichten Befall mit Darmhaarwürmern. Bei Altigeln mit nur leichtem Befall an Innenparasiten und ohne Symptome überlegt man sich, ob man das Tier überhaupt entwurmt. Einmal wieder draußen in Freiheit ist die Chance nämlich sehr hoch, dass er sich gleich wieder ansteckt und auch die Arzneimitteltoleranz bei Igeln steigt von Jahr zu Jahr. Aber da Engelbertchen längere Zeit stationärer Patient bleiben würde, habe ich mich für das Entwurmen entschieden. Erstens wollte ich, dass er nach seiner Genesung die kurze Zeit, die ihm für einen Winterschlaf noch bleiben würde, in einem möglichst tiefen Schlaf verbringen könnte – und mit Innenparasiten ist das immer schwieriger als ohne. Zweitens weiß ich, dass in seinem Revier jemand regelmäßig die Igel bei füttert. Die Chance, dass er sich also gleich wieder Innenparasiten einfängt, weil er Schnecken oder Regenwürmer fressen muss, um satt zu werden, ist um einiges geringer.
Am 07. März 2026 nach 6 Wochen konnte Engelbertchen dann mit 1103 Gramm endlich in ein Gehege umziehen, wo er jetzt noch ein paar Wochen Winterschlaf halten kann. Als Altigel weiß er, wie das geht. Seine Wunde ist verheilt und es wachsen sogar schon ein paar Stacheln nach. Und auch die Systemmykose ist ausgestanden.
Eine Anekdote gibt es noch. Engelbertchen verzog nie eine Miene, wenn ich ihm eine Spritze gab und ließ auch das Einsprühen mit verdünntem Imaverol und das spätere Baden darin stoisch über sich ergehen. Und was die Wundversorgung anging, war er ein echter „die hart“! Aber wehe, wehe ich wollte sein Gesicht mit Nystaderm Suspension beträufeln – dann rollte er sich sofort ein, ließ aber immer das linke Beinchen draußen, wie um zu sagen: Stopp. Dann kam ich dahinter, wenn ich das Nystaderm auf einen kl. Pinsel gebe und ihm damit vorsichtig das Gesicht bepinsel, ist alles OK.
Verantwortliche
Autorin
dieses Blogs:
Kristina Martha Bruins
Dieser Blog ist nicht KI generiert, sondern selbst verfasst!
Wenn Ihnen unser Einsatz für die Igel gefällt – bitte spenden Sie!
Donate Igelverein Aurich e.V.


