Laufende Nummer: 41/2026
Name: Endeavour
Datum Einlieferung: 09. Juni 2026
Datum Auswilderung: 27. Juni 2026
Auswilderung Fundort: JA
Spende vom Finder: Igel aus unserem eigenen Garten
Befund: 1020 Gramm schwerer, männlicher Altigel.
Leicht untergewichtig.
Schwere eitrige Konjunktivitis und Atemnot. Beides möglicherweise durch Kontakt mit Schneckenkorn, Pflanzendünger oder anderes Pestiziden.
Endeavour ist mein ein & alles, mein Seelenverwandter unter den Igeln. (Links ein Foto von 2025) Er beherrscht die Kommandos „Sitz“, „Bleib“ und „Püppchen“ und hört auf seinen Namen. Mein Mann und ich haben ihn 2022 als Einjährigen (Jungigel) auf einem Golfplatz am Niederrhein gefunden. Er lag gleich am Wegrand und vor uns waren schon unzählige Golfer an ihm achtlos vorbeigegangen. Damals litt er unter einem schweren Befall mit LW. So schwer, dass er einen leichten Lungenschaden zurückbehalten hat. Wir pflegten ihn gesund und er überwinterte bei uns. Da wir im März 2023 aber nach Aurich umzogen, war er einer der 9 Igel im Winterschlaf, die damals mit uns hierherkamen. Wir haben ihn dann im eigenen Garten ausgewildert, wo er seither lebt. Die ersten beiden Jahre hatte er es schwer. Er brachte kaum mehr als 900 Gramm auf die Waage und die Platzhirsche im Garten haben ihn nur allzu oft als Fußball benutzt. Trotzdem ließ er sich nicht unterkriegen! Wenn ich mich tagsüber in den Garten stelle und ganz laut seinen Namen rufe, weiß ich, dass er am nächsten Morgen in einem der Schlafhäuser liegt. Dann lässt er sich willig von mir beschmusen. (Ich weiß: Das ist ein Wildtier und Wildtiere beschmusen ist Tierquälerei. Wer hat sich diesen Schwachsinn eigentlich ausgedacht?)
Mittlerweile ist Endeavour stolze fünf Jahre alt. Seit letztem Jahr gehört er zu den Igeln, die selbst mit Artgenossen fußballen. Im Mai war er kurz auf Stippvisite hier, um zu sagen, dass er noch (immer) lebt und es ihm gut geht — da wog er fast 1.300 Gramm. Ein Prachtkerl von Igel!
Ich weiß nicht, wie oft wir ihm schon das Leben gerettet haben. Zweimal lag er im Lazarett mit schweren Verletzungen durch einen Mähroboter. Zum Glück ist der Typ mit dem Mähroboter gestorben. Einmal kam Endeavour und hatte eine Pilzinfektion aufgelaufen, die behandelt werden musste.
Am 09. Juni lag er nun wieder im Lazarett. Meine erste Diagnose lautet wie bei Möhrchen: eitrige Konjunktivitis durch Kontakt mit Schneckenkorn o.ä. und leichte Atemnot. Außerdem hatte er an Gewicht verloren.
Bei Endeavour ergab die Kotuntersuchung zudem einen Befall mit Kokzidien. Kokzidien werden häufig durch Hunde aus osteuropäischen Ländern verbreitet. Die Organisationen, die diese Hunde hierherbringen, versprechen zwar immer hoch und heilig, die Tiere seien Innenparasiten frei, aber ganz oft ist dem nicht so. Bei Rosi, unserer Hündin, war das seinerzeit auch der Fall. Sie hatte einen schweren Befall mit Giardien. Allerdings haben wir sie gleich, nachdem wir sie bekamen von unserer Tierärztin gründlich untersuchen lassen. Dazu gehörte natürlich auch eine Kotuntersuchung. Kokzidien und Giardien sind hochgradig ansteckend. Sie werden durch Kot oder Speichel übertragen. Ein Hund kann sich bspw. infizieren, wenn er am Kot eines anderen Hundes, der mit diesen Parasiten befallen ist schnüffelt oder aus demselben Wassernapf trinkt. Kokzidien, die Haus- und Wildtiere befallen sind in der Regel nicht auf Menschen übertragbar. Giardien hingegen sind vom Tier auf den Menschen übertragbar, das Ansteckungsrisiko gilt jedoch als gering.
(Um Ansteckungen jeglicher Art so gut wie möglich zu vermeiden, werden alle Futter- und Wasserstellen in unserem Garten jeden Morgen gründlich gereinigt, die Näpfe werden ausgetauscht und Kot wird entfernt. Dasselbe gilt für das Stroh in den leeren Schlafhäusern.
Bislang hatten wir nur einen Igel mit Kokzidien im Garten: Thedje 2023.)
Wegen der Konjunktivitis behandelte ich Endeavour aber schon mit dem Antibiotikum Amoxicillin (Trymox) subkutan. Außerdem wurde er inhaliert, die Augen wurden zudem zweimal täglich gereinigt und zusätzlich mit antibiotischer Augencreme versorgt. Auf dem linken Auge wirkte die Behandlung auch wie gewohnt innerhalb von nur ein paar Tagen. Das rechte Auge hingegen blieb vereitert.
Dann kam das Ergebnis der Kotuntersuchung. Mittlerweile machten mir seine Appetitlosigkeit, Abmagerung und Apathie (alles Symptome für Kokzidien) jedoch die größten Sorgen. Am 09.06. wog er immerhin noch 1020 Gramm. Am 13.06. als das Ergebnis der Kotuntersuchung kam nur noch 994 Gramm. Also setzte ich das Amoxicillin ab, um ihn stattdessen zuerst mit einem anderen Antibiotikum Sulfamethoxazol (Cotrim) 10 Tage gegen Kokzidien zu behandeln.
Leider tat das seinem rechten Auge nicht gut. Dort bildete sich im Unterlid immer wieder neuer Eiter. Allerdings war dieser Eiter nicht wie bei einer gewöhnlichen Konjunktivitis sehr flüssig, sondern eher fest. Deshalb war ich am 18.06.2026 bei der Tierärztin. Was, wenn Endeavour auch noch eine Zahnentzündung hatte und das entzündete Auge gar nicht mehr von der Konjunktivitis herrührte? Die Tierärztin äußerte den gleichen Verdacht. Endeavour ist zum Glück so zahm, dass ich ihm ohne weiteres in sein Mäulchen schauen kann, allerdings nicht bis hinten an die letzten Backenzähne. Jedenfalls sind seine Zähne nach fünf Jahren auch nicht mehr die besten, ein Backenzahn-Abszess ist deshalb nicht auszuschließen. Die Tierärztin gab mir dann ein spezielles oral zu verabreichendes Antibiotikum für Kiefer- und Zahnabszesse mit. Weil ich ihm zu dem Zeitpunkt aber nicht auch noch eine Narkose zumuten wollte, um so wirklich tief in sein Mäulchen schauen zu können, werde ich damit bis nach der Kokzidien-Behandlung warten. So oder so könnte ich ihm zum jetzigen Zeitpunkt nicht auch noch ein weiteres Antibiotikum geben. Das ist wie mit der Pest, die man gegen Cholera tauscht. Ich beschloss, dass er noch fünf Tage durchhalten muss, bis die Behandlung gegen Kokzidien abgeschlossen wäre. So lange behandelte ich das Auge weiter mit antibiotischer Augensalbe.
Hier auf dem Foto vom 16.06.2026 hat er ganz bewusst seinen Wassernapf ausgeschüttet und sich auf nasse Handtuch gelegt, weil er warm hatte. Zu der Zeit hatten wir hier in OFL um die 30 Grad. Soll nochmal einer sagen, Igel seinen dumm.
20.06.2026 / 992 Gramm: Seit gestern Abend ist die Iris im rechten Auge wieder sichtbar. Schwellung und Eiter werden weniger. Und er nimmt auch wieder etwas zu. 😊
27.06.2026 / 1066 Gramm: Die Kokzidien-behandlung ist seit dem 22.06.2026 abgeschlossen. Heute Abend darf Endeavour zurück in die Freiheit. Das mit der Zahn-entzündung/Abszess hat sich nicht bestätigt. Das Auge ist wieder genesen, nur mit der antibiotischen Augensalbe. Leider ist auf der Iris ein leichter gräulicher Schatten geblieben. Ich denke, dass seine Sehkraft etwas gelitten hat. Da er auch nicht mehr schnieft und unbedingt wieder raus will, lasse ich ihn gehen.
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Kristina Martha Bruins
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