Unserem Verein – und ganz besonders mir persönlich – ist Transparenz sehr wichtig. Deshalb werde ich hier immer wieder etwas über unsere Arbeit schreiben – ähnlich einem Tagebuch.
Heute wurde der erste schwer verletzte Igel des neuen Jahres gebracht. Eine Bekannte, die ebenfalls GANZJÄHRIG IGEL FÜTTERT*** hatte ihn morgens unter der Futterpalette entdeckt.
***Ganzjährig Futter bereitstellen ist deshalb so wichtig, weil kaum ein Igel wirklich den ganzen Winter durchschläft. Gerade Jungigel erwachen immer wieder und gehen auf Nahrungssuche. Da es im Winter aber keine Insekten gibt, gibt es auch keine Nahrung. Früher war das unproblematischer, weil die Igel in der Regel mit ausreichend Gewicht in den Winterschlaf gingen. Wurden sie mal wach, hatten sie danach immer noch genug Fettreserven, um wieder einzuschlafen. Ein Jungigel benötigt mindestens 500-600 Gramm Gewicht für einen qualitativ guten Winterschlaf. Ein Altigel mindestens 800 Gramm Gewicht. Geht ein Igel aber schon mit dem Minimum an Gewicht in den Winter, ist es gut möglich, dass er in einer Nacht, wo er nicht schläft, so viel Gewicht verliert, dass er danach nicht mehr einschlafen kann. Das sind dann oft die Igel, die mit 200 Gramm im Januar gefunden werden. Die Finder glauben fälschlicherweise, sie hätten ein Igeljunges gefunden, dass nur sehr spät geboren worden wäre. In Wahrheit sind das ausgewachsene, halb verhungerte Tiere. Ein Igel kann in einer kalten Nacht ohne Nahrung bis zu 10% seines Körpergewichtes verlieren. Erschwerend kommen die oft viel zu milden Temperaturen im Winter hinzu. Bei Temperaturen über 7 Grad Celsius ist es für Igel nämlich generell schwierig, Winterschlaf zu halten. Außentemperaturen, Tageslichtlänge, Körpergewicht, Nahrungsangebot und wahrscheinlich der Hormonhaushalt sind ausschlaggebend dafür.
Bis Samstag befanden sich noch 20 Igel in Gehegen in unserem Hof und auf der Terrasse. Mein Mann und ich haben Arbeitsteilung: Er versorgt hauptsächlich die Igel draußen, die jetzt bei uns z.B. den kontrollierten Winterschlaf verbringen. Ich kümmere mich um die Tiere, die im Haus aufgenommen werden, weil sie verletzt oder sonst irgendwie hilfsbedürftig sind.
Zurzeit ist also mein Mann derjenige, der die meiste Arbeit hat: Jeden Tag alle Gehege nachschauen, ggf. Kot entfernen, Futter oder Wasser bei füllen. Weil nicht alle Gehege in den Hof passten, mussten wir acht Igel auf der Terrasse unterbringen. Dort scheint jedoch bei schönem Wetter den ganzen Tag die Sonne drauf. Und so sehr ich mich persönlich über jeden Sonnenstrahl freue, für die Igel war es da viel zu warm! Die Igel auf der Terrasse wollten partout nicht schlafen. Also haben wir uns dazu entschlossen, acht Igel aus dem Hof, die tief und fest schlummerten, jetzt schon zu ihren späteren Auswilderern zu bringen. Dadurch machten wir Platz für die acht „Randalierer“ von der Terrasse.
Und so haben wir Samstag mit dem Auswildern begonnen. Normalerweise machen wir das erst, wenn die Igel aus dem Winterschlaf erwacht sind. Dann werden sie auch noch mal durchgecheckt, gewogen und ggf. auf Gewicht gebracht. Erst danach bringen wir sie mit Gehege und Schlafhaus zu ihren Auswilderern. Oftmals sind diese nicht die Finder, da nur jeder dritte oder vierte Igelfinder „seinen“ Igel zurück möchte. -Selbst dann nicht, wenn der Stachelbär aus dem eigenen Garten stammte. Wir suchen also immer Menschen, die zwei Igeln ein neues Zuhause geben möchten. (Zwei deshalb, weil das Auswildern mit sehr viel Arbeit und Zeit verbunden ist.) Näheres über das Auswildern finden Sie übrigens unter dem Link: Bewerben Sie sich als Auswilderer
Dabei haben wir nun bewusst die Igel zu ihren späteren Auswilderern gebracht, die tief und fest schlafen, weil diese von ihrem Umzug nichts mitbekamen und ihre Auswilderer so weniger Arbeit haben. Wenn diese Tiere dann irgendwann im April oder Mai erwachen, werden wir die Tiere vor Ort noch mal durchchecken, bevor sie tatsächlich in die Freiheit entlassen werden können.
Durch die viel zu warmen Temperaturen sind aber auch schon viele (Jung)Igel wach, die in der Natur überwintert haben. Jedenfalls hat die Mehrheit der Leute, zu denen wir Kontakt haben und die ganzjährig eine Futterstelle betreiben, jetzt schon regelmäßig Besuch von Igeln, die nachts zum Fressen kommen! Die Tiere, die jetzt schon wach sind und nicht das Glück haben, in ihrer Nähe jemanden zu finden, der Igel füttert werden elendig verhungern. Es ist zwar zu warm, aber trotzdem sind noch nicht genug Insekten/Käfer unterwegs – also die natürlich Nahrung der Igel.
Sonntagmorgen haben wir zwei Igelchen zu ihrem Auswilderer gebracht und auch er sagte, dass unter seiner Futterpalette schon jede Nacht gefressen wird. Wir haben dann nachgesehen und unter der Palette lag Igelkot – jedoch nicht der Kot eines gesunden Igels. Der Kot von gesunden Igeln ist fast schwarz und fest. Dieser war hellbraun und dünn. Außerdem steht ein Schlafhaus in diesem Garten. Mein Mann und ich haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Igel diese Häuser nicht annehmen, um darin wirklich ihren Winterschlaf zu verbringen. (Im Gehege ist das eine andere Sache, aber da haben sie auch keine andere Wahl, als das mit Stroh gefüllte Häuschen anzunehmen.) Liegt ein Igel „freiwillig“ in einem Schlafhaus, ist er in der Regel krank oder verletzt.
In dem Häuschen dieses Auswilderers lag tatsächlich ein kleiner Igel. Er war wach und leicht unterernährt. Also habe ich ihn erst mal mitgenommen und zu Hause gründlich durchgecheckt. Abgesehen von ein paar Zecken, einer leicht trockenen Haut und etwas wenig Speck auf den Rippen war er allem Anschein nach aber fit. Dann entdeckte ich ein ca. 1 Euro großes Hämatom auf den Rippen der linken Seite. Sein Brustkorb fühlte sich jedoch normal an, er war auch nicht druckempfindlich und er röchelte auch nicht. Ich bin allerdings sicher, dass irgendein Arschloch, das vor kurzen seinen Garten aufgeräumt hat und dabei den Winterschlafplatz dieses Igels entdeckte, dem armen Tier einen Tritt verpasste!
Und wenn das der Igel war, der unter der Palette fraß, war er sicher nicht gesund, jedenfalls nicht dem Kot nach zu urteilen, den wir dort gefunden hatten.
Eine Bekannte, die selbst päppelt und auch mikroskopiert und nicht weit weg, wohnt hat dann gleich Montag eine Kotprobe untersucht. „Manfred“, wie der kleine süße Kerl jetzt heißt, hatte neben einem schweren Befall mit Lungenwürmern auch einen schweren Befall mit Darmhaarwürmern und Kokzidien. Sogar einen Darmsaugwurm konnte meine Bekannte nachweisen. Diese Bekannte päppelt jetzt für unseren Verein und hat eine der ersten voll ausgestatteten Außenstellen eingerichtet. Manfred wird nun bei ihr behandelt und danach darf er wieder zurück in den Garten, wo er gefunden wurde. Das besondere an klein-Manfred ist, dass er eine hellbraune Nase hat. Die allermeisten Igel haben schwarze Näschen. Außerdem kann meine Bekannte viel besser fotografieren als ich – wie man am Foto von Manfred erkennt.
Donnerstag, der 02. April 2026
In der vergangenen Nacht war in unserem Garten der erste Igel unterwegs. Im großen Futterhaus hat er tüchtig zugeschlagen: Alle Mehlwürmer und Soldatenfliegenlarven waren heute Morgen weg. …dass der Napf auf dem Video leer aussieht, hängt damit zusammen, dass er ihn schon vor den Aufnahmen halb leer gefressen hatte ![]()
Aber man sieht auf den beiden Videos auch sehr schön, wie wichtig genügend frisches Trinkwasser für die Tiere ist.
Weil der Igel doch etwas untergewichtig aussah und man zudem die vielen dicken Zecken gut erkennen konnte, beschlossen mein Mann und ich ihn am nächsten Abend einzufangen. Außerdem ließ das viele Kratzen auf einen übermäßigen Befall mit Flöhen schließen. Donnerstagabend um kurz nach 22 Uhr kam der kleine Mann ins Futterhaus zurück und wir holten ihn rein. (Man kann die Uhr danach stellen: Wenn ein Igel um 22 Uhr zum Fressen kommt, tut er das in den Folgenächten meist um die gleiche Zeit.)
Unsere Igel sind zudem alle an unterschiedlichen Stellen mit weißem Nagellack markiert. Zusätzlich bekommen sie alle einen Klecks rosa oder blauen Lack. Weißer Lack deshalb, weil es die einzige Farbe ist, die man auf der Wildkamera, die ja mit Infrarot arbeitet, erkennen kann. So wissen wir in der Regel, welcher Igel da unterwegs ist. Leider ist die Markierung mit Nagellack nur begrenzt haltbar. Deshalb schreibe ich mir zu jedem unserer Igel auch noch seine Besonderheiten auf. Z.B. Narben durch alte Verletzungen oder wo er weiße Krallen hat oder ob er ein schwarzes oder braunes Gesicht hat. Die einwandfreie Identifizierung hat auch den Vorteil, dass ich weiß, wann/ob ein Tier bspw. entwurmt wurde.
Dieser Igel entpuppte sich als Carlo. Nach einem Bad in Apfelessig konnte ich auch tatsächlich noch Reste seiner individuellen Nagellackmarkierung finden. Außerdem hat Carlo an der linken Vorderpfote 2 weiße Krallen: Ring- und Mittelzeh. Carlo lebte schon in unserem Garten, als wir 2023 hierherzogen. Damals war er noch ein sogenannter “Jungigel”, geboren 2022. Anhand seiner Geschichte lässt sich zudem sehr schön aufzeigen, wie viel Leid ein einziger Mähroboter anrichten kann, wenn er nachts betrieben wird! Carlo war das erste Mal stationär bei uns in Behandlung im Juni 2023. Aufnahmegrund: Kopfverletzung durch Mähroboter. Damals wurde auch eine Kotuntersuchung gemacht und er wurde entsprechend entwurmt. Sein zweiter stationärer Aufenthalt folgte nur wenige Wochen später, Ende August. Aufnahmegrund diesmal: 2 kl. Wunden an der rechten Seite mit Abszess und vereiterte Augen. Diese “Augenkrankheit” wird durch Pestizide ausgelöst, wenn der Igel damit in Berührung kommt. Sie ist mit Antibiotika jedoch ganz gut zu behandeln und bleibt in der Regel ohne Folgeschäden. Ohne Behandlung stirbt der Igel jedoch qualvoll. Seine Augen verkleben, sodass er nichts mehr sieht und Fliegen fühlen sich von dem Eiter ebenfalls angezogen. Sie legen ihre Eier darin ab und die Maden, die aus den Eiern schlüpfen, fressen sich dann durch das Auge.
Auf diesem Foto erkennt man sehr gut sein angenagtes rechtes Ohr.
Das nächste Mal, dass wir Carlo stationär in Behandlung hatten, war im Juli 2024. Aufnahmegrund: Verletzung Mähroboter. Eine erneute Kotprobe ergab, dass er aber noch immer Innenparasiten-frei war. Wahrscheinlich deshalb, weil unsere Igel immer genügend Futter im Garten finden. Auch wenn es sich dabei nur um getreidefreies Katzentrockenfutter, Mehlwürmer und Soldatenfliegenlarven handelt, so haben die Tiere es zumindest nicht nötig, aus Hunger Schnecken oder Regenwürmer anzufressen. Beide Überträger von Lungen- und Darmwürmern.
Im Oktober 2024 war Carlo erneut “zu Besuch” – diesmal aber “nur” wegen eines Milbenbefalls.
2025 haben wir Carlo dann immer nur als sogenannten Tagesgast ambulant reingeholt. Bspw. um ihn zu entflohen oder ihm die dicksten Zecken aus dem Pelz zu ziehen. Der Mann, der seinen Mähroboter immer nachts laufen ließ, war verstorben – seither keine verletzten Igel mehr in unserem Garten (jedenfalls nicht mit Verletzungen durch Mähroboter).
So wie Carlo hatten wir bis 2025 viele Igel, die mehrmals im Jahr stationär aufgenommen werden mussten, weil sie schlimme Verletzungen durch ein und denselben Mähroboter erlitten. Ich denke auch, dass ich mittlerweile ganz gut in der Lage bin einzuschätzen, welche Art von Verletzungen eindeutig einem Mähroboter zuzuordnen sind und welche nicht. Verletzungen durch einen sogenannten Kanten- oder Freischneider sind wesentlich tiefer und länger – auch ähneln sie eher Schnitten. Man findet sie auch öfter am Körper und seltener am Kopf, weil der Igel i.d.R. davon tagsüber verletzt wird – dann, wenn er der Länge nach bspw. im hohen Gras liegt und schläft. Hingegen betreffen Verletzungen durch Mähroboter hauptsächlich den Kopf. Das hängt mit der Art und Weise zusammen, wie der Igel sich von dem Mähroboter wegdreht. Die schwersten Verletzungen finden sich dann auch fast immer an der rechten Kopf- und Gesichtshälfte. Ich habe keinen Beweis dafür, aber anhand der Reaktionen/Reflexe der Igel, die ich bislang in Behandlung hatte, würde ich sagen, dass die meisten Igel ebenfalls “Rechtshänder” sind. -Daher auch die schlimmsten Verletzungen rechts. So wie wir, wenn wir Rechtshänder sind, reflexartig mit rechts etwas fangen oder uns mir rechts zuerst abstützen wollen, reagiert auch ein Igel fast immer mit rechts oder der rechten Körperhälfte zuerst. So wendet er sich auch mit der rechten Körperhälfte – Nase voraus – einem Mähroboter zu.
Im Übrigen ist Carlo ein Igel, der immer früh aus dem Winterschlaf erwacht. Auch 2025 war er am 05. April der erste Igel, der unsere große Futterstelle im Garten aufsuchte. Damals hatte er aber im Vergleich zum Herbst davor kaum an Gewicht verloren. Jetzt wog er nur noch 806 Gramm. Das ist für einen männlichen Altigel sehr wenig – v.a.D., wenn man bedenkt, dass Carlo früher auch mal 1300 Gramm auf die Waage brachte. Nun ist er aber mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen – im Herbst feiert er seinen vierten Geburtstag. Damit erreicht er das durchschnittliche Alter wild lebender Igel. Die meisten werden jedoch schon vorher getötet oder verhungern. Auch Carlo wäre mindestens zweimal gestorben, hätten wir ihn nicht wieder zusammengeflickt bzw. gesund gepflegt. (Neben ca. 15 anderen Igeln aus unserem Garten in den letzten 3 Jahren, die alle schon längst tot wären, hätten wir sie nicht gefunden.) Und natürlich ist es nicht so, dass ausgerechnet in unserem Garten extrem viele Tiere mit lebensbedrohlichen Verletzungen auftauchen. Überall werden Mähroboter nachts betrieben, kommen Kantenschneider oder Pestizide zum Einsatz und der Mangel an natürlichem Futter ist auch nicht auf OFL beschränkt! Wenn man die Zahl an verletzten Tieren aus unserem Garten hochrechnet – und sei es nur auf 500 m2, versteht man, warum der Igel mittlerweile auf der Vorwarnstufe der Roten Liste steht.
Zurück zu Carlo. Neben vielen dicken Zecken und einem Haufen Flöhe hatte er aber auch noch ein angenagtes rechtes Ohr. Es sah aus, als wenn jemand (vielleicht eine Ratte?) im drei kleine Stücke oben aus der Ohrmuschel herausgebissen hätte. Die Wunde war allerdings schon komplett verheilt.
Dann habe ich mir die Liste der Tiere, die 2025 ambulant bei uns waren, angesehen und festgestellt, dass Carlo am 06.09.2025 das letzte Mal von mir behandelt worden war. Damals wog er 1030 Gramm und nachdem ich ihn entfloht und die Zecken entfernt hatte, ließ ich ihn wieder laufen. Die Ohrverletzung kann er sich erst danach zugezogen haben. Leider haben wir ihn nach dem 06.09.2025 nicht mehr gesehen – bis heute.
Carlo ist dann eine Woche dringeblieben und hat die Zeit zwischen zwei kuscheligen sauberen Handtüchern in seiner Box sichtlich genossen. Weil er auch ziemlich verdreckt war und überall Blutreste von den vielen Flohbissen zwischen seinen Stacheln klebten, habe ich ihn gebadet – im letzten Durchgang mit einem Schuss Apfelessig. Einen Tag später habe ich seine Haut leicht mit Kokosöl eingeölt und die Öhrchen mit Manuka Lind. Außerdem hat er eine Kralle an seinem linken Vorderfuß, die spiralförmig nach oben wächst, bevor sie sich nach hinten dreht und ihm ins Fleisch schneidet. Diese Kralle muss bei ihm auch regelmäßig, mindestens 2x jährlich, kurz geschnitten werden. Das alles hat er mit stoischer Geduld über sich ergehen lassen. Danach lag er mit allen Vieren von sich gestreckt unter seinen Handtüchern oder lag auf der Seite so tief schlafend, dass er gar nicht merkte, wenn ich das obere Handtuch anhob. Und wie alle Igel, die länger oder öfter stationär behandelt werden müssen, kennt auch Carlo seinen Namen und reagiert positiv auf meine Stimme. Igel sind auch in der Lage, einfache Kommandos zu lernen (siehe Video).
Morgens hat sich mein Mann mit ihm immer eine Weile in die Sonne gesetzt und gekuschelt. Die Igel aus unserem Garten kennen das und auch Fremdigel, die zur Genesung bei uns sind, begreifen, dass es ihnen hier gut geht und sie v.a.D. sicher sind.
Carlo hat in der Woche gute 100 Gramm an Gewicht zugelegt und am 09.04.2026 haben wir ihn wieder über ein Schlafhaus im Garten freigelassen. Nachts war er erneut auf der Wildkamera zu sehen.
Loki ist der erste Jungigel, der vor ein paar Tagen mit 570 Gramm aus dem Winterschlaf erwacht ist. Er hat Quartier bei seiner zukünftigen “Pflegefamilie” bezogen. Dort bleibt er noch im Gehege, bis sein Gewicht ca. 700 Gramm beträgt. Loki war im vergangenen Herbst der erste Igel, der bei uns in den kontrollierten Winterschlaf ging. Damals, am 01. Dezember 2025, wog er 614 Gramm. Für einen Jungigel, der das winterschlafen ja auch erst noch lernen muss, war er überraschend schnell eingeschlafen und hat relativ gut durchgeschlafen. Bis zu seinem vollständigen Erwachen vor ein paar Tagen ist er nur wenige Male für eine Nacht wach gewesen, um einen Happen zu fressen. Es entspricht nicht den Tatsachen, dass Igel im Winter durchweg schlafen. Gerade Jungigel oder Tiere, die schon mit zu wenig Gewicht (unter 500 Gramm) in den Winterschlaf gehen, erwachen sehr oft daraus. Dann begeben sie sich auf Futtersuche und damit beginnt ein tödlicher Kreislauf. Im Winter gibt es nämlich keine natürliche Nahrung mehr für sie. In einer Nacht können die Tiere jedoch bis zu 50 Gramm an Gewicht verlieren und mit jedem Gramm weniger wird es schwieriger, überhaupt noch mal in den Winterschlaf zurückzukehren. Diese Tiere verhungern qualvoll, wenn sie nicht gefunden werden! Möglich, dass Igel in früheren Zeiten nicht aus dem Winterschlaf erwachten. Mögliche Ursachen für das heutige Verhalten sind neben den zu hohen Temperaturen im Winter wohl auch der Rückgang an natürlichen Nahrungsquellen. Erst bei dauerhaften Temperaturen unter 7 Grad Celsius beginnt der Organismus eines Igels dem Tier mitzuteilen, dass es Zeit ist für den Winterschlaf. Außerdem braucht ein Altigel mindestens 800-900 Gramm Gewicht, ein Jungigel 600 Gramm, um in einen qualitativen, tiefen Winterschlaf zu gelangen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich geworden, auch im Winter immer eine Futterstelle für Igel einzurichten!
Von den 20 Tieren, die bei uns zurzeit den Winterschlaf verbringen, hat kein einziges Tier durchgeschlafen. Selbst Igel wie Loki, die überwiegend geschlafen haben, sind ab und zu eine Nacht wach gewesen. Bei vier Igeln hält es sich ungefähr die Waage. Sie schlafen mehrere Tage am Stück, dann sind sie 2-3 Nächte infolge wach – wobei die Schlafphasen überwiegen. Eine Jungigelin hatte richtig Schwierigkeiten mit dem Winterschlafen und hat ständig nachts randaliert. Erst nachdem wir ihr die Mehlwürmer und Soldatenfliegen weggenommen haben und sie als Futter nur noch getreidefreies Katzentrockenfutter (Kitten) angeboten bekam, ist sie nach einigen Tagen in den Winterschlaf gegangen. Seither wird sie nur noch sporadisch wach. Ein anderer Jungigel ist immer noch wach. Er hat den ganzen Winter über kaum geschlafen. Bei ihm half auch der Entzug der Mehlwürmer nicht. Da alle Igel vor der Unterbringung im Gehege/Winterquartier auf Innenparasiten untersucht und ggf. entwurmt wurden, kann ich einen Parasitenbefall als Ursache ausschließen. Aber genau genommen haben wir jedes Jahr ein Tier, das partout nicht schlafen will – oder aber erst im April für 2-3 Wochen doch noch schläft. Was die Ursachen hierfür sind, weiß ich leider nicht. Auch eine Bekannte, die selbst 4 Igel im Winterquartier betreut, hat einen Jungigel, der ebenfalls so gut wie jede Nacht wach ist. Das sind dann die ersten Tiere, die in die Freiheit entlassen werden, sobald zumindest einige Insekten/Käfer unterwegs sind. Zusätzlich trainieren wir solche Tiere in einem großen Gehege (ca.2x1m) schon darauf, dass sie Futter unter einer Palette finden. Dazu koppeln wir eine Futterpalette mit dem Gehege und die Tiere müssen zum Fressen hineinkriechen. Das Gehege selbst steht auf dem Rasen, sodass das Tier dort auch schon die Möglichkeit hat, Käfer zu jagen – denn auch das will gelernt sein. Später wird das Gehege weggenommen und nur die Futterpalette und das Schlafhaus bleiben an Ort und Stelle stehen, aber der Igel ist nun frei. Die männlichen Igel verschmähen künftig meist das Schlafhaus und kommen nur noch zum Fressen unter die Palette. Die Weibchen hingegen nutzen das Haus oft noch eine Weile, um darin den Tag zu verschlafen, bis sie sich draußen einen eigenen Schlafplatz eingerichtet haben. Nach ca. einer Woche können auch Futterpalette und Schlafhaus um einige Meter versetz werden, sodass sie vielleicht nicht mehr mitten im Garten stehen. Der Igel riecht den neuen Standort. Dennoch ist es ratsam, das Schlafhaus regelmäßig zu reinigen und mit frischem Stroh auszustatten und von Zeit zu Zeit nachzusehen, ob ein Igel darin liegt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Igel, die im Sommer ein Schlafhaus nutzen, meist verletzt oder sonst wie krank sind.
Noch ein Wort zur Fütterung im Winterquartier bei Igeln, die dort den Winterschlaf verbringen: Es gibt Päppler, die sagen, dass man den Tieren, wenn sie nicht schlafen wollen, das Futter komplett entziehen soll. Mein Mann und ich finden das sehr grausam. Der Igel wird wach, findet kein Futter mehr vor und kann auch nicht weglaufen – das ist Panik und Stress pur für das Tier. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, wenn wir einem Tier in so einem Fall nur noch Futter anbieten, welches es nicht unbedingt als Superlecker empfindet, wie z.B. einfaches getreidefreies Katzentrockenfutter, dass zumindest einige Tiere dann tatsächlich nach einigen Nächten beschließen, in den Winterschlaf zu gehen. Wir sind überzeugt, dass einige Tiere nur jede Nacht rauskommen, um die leckeren Mehlwürmer und Soldatenfliegenlarven zu fressen und deshalb nicht einschlafen wollen.
Loki jedenfalls geht es gut. Mit 44 Gramm hat er nicht übermäßig viel an Gewicht verloren. Für einen Igel, der tatsächlich fast immer geschlafen hat, ist dieser Gewichtsverlust normal und in ein paar Wochen hat er sich alles in wieder angefuttert.
Mittwoch, der 17. Juni 2026
Mittlerweile ist viel passiert. So viel, dass ich keine Zeit hatte, das Igel-Tagebuch weiterzuführen. Unser Verein will Igel retten und keine Zeit damit verschwenden, sich ständig gegen die Schikanen eines anderen Igelvereins zu erwehren. Leider ist das aber so. Demnächst werde ich genauer darüber berichten.
Nur so viel. Leider ist nicht jeder Verein seriös. Gerade mit der Tierhilfe lässt sich auch viel (Spenden)Geld generieren — so viel, dass man sein eigenes Portemonnaie damit gut aufbessern kann. Die Tierhilfe dient dabei nur als Vorwand. Wir kennen das von Vereinen, die Hunde aus Südeuropa nach Deutschland holen. Das ist oftmals big business und die Tierhilfe ist nur ein Vorwand. Aber auch mit Igeln lässt sich Geld machen. Alles, was man benötigt, ist eine Social-Media-Plattform, wo man regelmäßig niedliche Igelfotos teilt und dann Spendenaufrufe startet. Am besten herzzerreißende, KI-generierte — und schon fließt das Geld.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es OK, wenn jemand, der wirklich 1.000 Tiere (oder mehr) im Jahr päppelt, sich von den Spendeneinnahmen auch ein Gehalt bezahlt. Igelpflege ist ein Knochenjob: körperlich und seelisch. Aber die Tiere missbrauchen, um sich selbst zu bereichern ist einfach widerlich!
Im vermeintlichen Kampf um Spendengelder sind wir diesem besagten Verein ein „Stachel“ im Auge. Dabei verzichtet unser Verein ganz bewusst auf facebook & Co. So gesehen sind wir also überhaupt keine Konkurrenz. Leider hinterfragt heutzutage auch niemand mehr, ob dass, was jemand sagt oder schreibt, die Wahrheit ist oder erstunken und erlogen — allen voran die Medien selbst. Und so gesehen ist das, was ich hier schreibe, natürlich auch davon betroffen. Deshalb wird auf unserer Homepage zu gegebener Zeit auch eine ausführliche Erklärung mit Beweisen und Tatsachen folgen.
Mittlerweile hat unser Verein 2026 immerhin schon 43 Igel gepflegt. (2025 am 18.06. waren es gerade mal 9 Tiere!)
Fünf Tiere stammen von einer Frau, die diese für den oben erwähnten Igelverein in Pflege genommen hatte. Als sie ihre eigene kleine Igel-Info-Homepage und facebook-Seite mit Spendenmöglichkeit öffnete, drohte der Verein ihr, sie anzuzeigen, wenn sie die eigene Internetpräsenz nicht sofort wieder lösche. (Mein Mann und ich haben 2023 nach unserem Umzug hierher selbst ein paar Monate für diesen Verein gepäppelt und sind mit dem aggressiven Vorgehen vertraut. Auch uns wurde nach unserem Ausscheiden mit Anzeige und Polizei gedroht, sollten wir auch nur in Erwägung ziehen, weiter Igel zu pflegen. Man glaubt dort ein Monopol auf ostfriesische Igel zu besitzen. -Wobei zumindest 2023 selbst niemand in diesem Verein eine Genehmigung nach §11 des TSchG hatte.) Was jedoch die fünf Igel betraf, die ließ man einfach bei der Frau zurück — so viel zur Tierliebe in diesem Verein. Deshalb wandte sie sich an uns. Nach dem Winterschlaf der Tiere haben wir von allen erneute Kotproben genommen. Einige mussten (erneut) entwurmt werden. Dann haben wir Auswilderungsplätze für die Tiere gesucht. Normalerweise versucht man die Tiere bei den Findern auszuwildern, doch der Verein verweigerte auch die Herausgabe der nötigen Adressen. Stattdessen versuchte man nun mich unter Druck zu setzen und einzuschüchtern. Allerdings lasse ich mich nicht so schnell einschüchtern. Lästig ist nur, dass ich nichtsdestotrotz darauf reagieren muss — und dass in schriftlicher Form, u.a. als Beschwerden bei den zuständigen Behörden. Und das kostet Zeit. Aber das ist auch nur ein Aspekt in dieser leidlichen Angelegenheit.
Kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Erinnern Sie sich an Belinda? Die Igelin mit dem schrecklichen Hundebiss? Ich habe Belinda ausführlich auf der Seite Jahresrückblick 2025 vorgestellt. Sie hat den Winterschlaf im Gehege gut überstanden. Auf ihrem Rücken ist eine ca. 2 Euro große Stelle übrig geblieben, wo keine Stacheln nachgewachsen sind. (Siehe Foto links) Das ist auch genau die Stelle, wo ein Stück Wirbel der Wirbelsäule aus der Wunde herausgeragt hatte. Zum Glück hat sich wieder Haut darüber gebildet. Trotzdem haben wir Belinda bei uns im Garten ausgewildert. So haben wir ein Auge auf sie. Die „kahle“ Stelle ist mittlerweile hart wie Schuhsohle und auch wenn dort keine Stacheln mehr wachsen, besteht kaum Verletzungsgefahr. Belinda hat sich draußen jedenfalls gut eingelebt.
Auch Gerdchen, das Igelchen mit der chronisch-stationären Knochenentzündung im linken Schultergelenk, lebt jetzt in unserem Garten (und den angrenzenden). Mitte Mai haben wir dann auf der Wildtierkamera gesehen, dass er wieder humpelt, und ich befürchtete ein Rezidiv. Also haben wir uns nachts auf die Lauer gelegt, um ihn einzufangen.
Als erstes ging mir jedoch Maggie „ins Netz“. Wir wussten von der Kamera, dass Gerdchen meistens zw. 1 und 2 Uhr morgens zum Fressen kam. Ich habe also jede Nacht den Wecker gestellt. Mein Mann oder ich sind dann raus zum großen Futtergehege auf der Suche nach ihm. Dabei lief mir ein Igel direkt vor die Füße. Der massive Stachelverlust war nicht zu übersehen. Siehe Kategorie: 2026: Bleiben Sie Informiert! #35/2026: Maggie.
Gerdchen haben wir dann eine Nacht später gefangen. Sein linkes Vorderbeinchen zeigt jedoch keine Auffälligkeit und wenn er ausgeruht ist, humpelt er auch nicht. Möglich, dass er (leichte) Schmerzen hat, die, wenn er viel rumläuft, stärker werden, weshalb er zu humpeln anfängt. Aber es scheint ihn nicht weiter zu stören. Jedenfalls ist das Humpeln kein Grund, ihm das Beinchen zu amputieren.
Am nächsten Abend haben wir ihn deshalb auch wieder über ein Schlafhaus in die Freiheit entlassen. Wenn ich ihn aber schon auf dem Behandlungstisch hatte, habe ich mir auch sein linkes Ohr noch mal angesehen. Dort hatten sich seinerzeit ebenfalls Maden durchgefressen, genau wie an der linken Schulter. Im Ohr hat sich später „wildes Fleisch“ gebildet. Die Öffnung im Gehörgang ist stark verschmälert. Trotzdem hört er auf dem Ohr und es hatte sich auch nicht übermäßig Ohrenschmalz gebildet. Meine Befürchtung war, dass Dreck nicht aus dem Ohr raus könnte. Offensichtlich ist es aber eher so, dass durch die kleine Öffnung erst gar keiner reinkommt. Gerdchen ist jedenfalls fit. Er ist ein lieber, kleiner, süßer und sehr sensibler Igel. Mit gerade mal 800 Gramm ist er auch nicht besonders groß, was leider öfter dazu führt, dass die „Platzhirsche“ Fußball mit ihm spielen. Aber auch das kann sich ändern — und da muss ich gleich an Pippo denken.
Mein Mann hat Pippo im Spätherbst 2023 mit 300 Gramm unter einer unserer Futterpaletten im Hof gefunden. Ich habe ihn dann drin behalten und erst mal aufgepäppelt, bevor er schließlich im Gehege seinen ersten Winterschlaf verbrachte. 2024 und 2025 spielten vor allen Dingen Frieso und Carlo immer gerne Fußball mit ihm. Frieso ist dieses Jahr bislang leider noch nicht wieder aufgetaucht. Carlo hingegen schon und Pippo auch. Er und Carlo sind nun die neuen „Machos“ im Garten. Das Lustige ist, wenn ich einen von beiden auf dem Arm habe oder im Keller auf dem Behandlungstisch sind sie so klein, dass ich sie in einer Streichholzschachtel fangen könnte!
Die Igel in unserem Garten wissen bspw., dass mein Mann sie bei seinem allmorgendlichen Rundgang mit ins Haus bringt, wenn sie in einem bestimmten Schlafhaus liegen. Deshalb nennen wir dieses spezielle Haus auch nur das „Lazarett“. Manchmal ist es bloß eine exorbitant dicke Zecke, die mitten im Ohr sitzt und nervt, manchmal ist es ein eingerissener Zeh oder eine andere Verletzung. Oder so wie bei Endeavour kürzlich eine eitrige Konjunktivitis.
…Wenn man bedenkt, wie viele Igel wir pflegen, die ohne unsere Hilfe sterben würden, die aber alle aus dem eigenen Garten stammen… . Wenn man das hochrechnet, selbst wenn man es nur auf jeden zehnten Garten tut, die Zahl ist erschreckend hoch und erklärt natürlich auch, warum der Igel vom Aussterben bedroht ist. Das nächtliche Betreiben von Mährobotern zu verbieten ist eine gute Sache. Aber es ist nur ein Anfang! Kanten- und Freischneider sind mindestens genauso gefährlich. Hinzukommen Gift wie Schneckenkorn, Dünger und andere Pestizide. Und solange die Menschen auch nicht begreifen, dass sie Igel bei füttern müssen…
An dieser Stelle muss ich noch mal kurz abschweifen. Kürzlich war ich bei meiner alten Tierärztin am Niederrhein, die ich sehr mag und sehr schätze. Ich sagte ihr, wenn ich noch mal wiedergeboren werde, will ich auch Tierärztin werden (das ich als Frau wiederkomme, steht dabei außer Frage). Allerdings will ich Tierärztin für Wildtiere werden mit dem Schwerpunkt auf Operationen. Nee, nee antworte sie, nie wieder Tierärztin. Wenn ich noch mal zurückkomme, dann als Prinzessin. Ich kann sehr gut mit rechts winken. Dabei drehte sie besagtes Handgelenk wie eine Windmühle vor ihrem Gesicht und zeigte mir ihr „Queen-Winken“. Und schau mal, fügte sie hinzu – ich kann das sogar mit links.
Ich glaube, ich ahne, warum sie nicht mehr Tierärztin werden will: Wie viele Haustiere werden schlecht behandelt, sind zu fett oder verhaltensauffällig? Wie viele Haustiere werden nicht kaltherzig abgegeben, nur weil Herrchen und Frauchen jetzt eigenen Nachwuchs erwarten oder umziehen und in der neuen Wohnung (angeblich) keine Haustiere erlaubt sind? Was um alles in der Welt sind das für Menschen?
Mit solchen Individuen haben Igelpfleger es natürlich auch zu tun. Ich könnte immer kotzen, wenn jemand sagt, wie wertvoll er unsere Arbeit findet, während er mir einen hilfsbedürftigen Igel in die Hände drückt! Ach, wie gut, dass ihr (Volltrottel) ehrenamtlich arbeitet. Wenn ich dann antworte, dass Futter und Medikamente für die Tiere aber nicht vom Himmel fallen, wird aus Lob schnell Ablehnung. Immerhin habe man das Tier gebracht, mehr könne man schließlich nicht erwarten!
Hinzu kommt, kaum ein Igelfinder gibt noch zu, dass das Tier aus dem heimischen Garten kommt. Stattdessen werden wilde Geschichten erfunden, die so hanebüchen sind, dass ich schon wieder kotzen könnte. Was ich noch mehr hasse als Lügner und Heuchler, sind Menschen, die allen Ernstes glauben, nur weil wir so (dämlich) sind Ersparnisse und Freizeit in das Wohl der Igel zu stecken, seinen wir (dumme) Gutmenschen. Die Krönung ist immer das Volk, was gleich mit einer ganzen Schar Kinder erwartungsvoll hier aufkreuzt und nachdem man mir den verletzten Igel (am besten in einer luftdicht verschlossenen Tupperdose) übergeben hat, raunzt: „Ja, und dann wollten wir auch noch mal Igelchen gucken.
Vielleicht erkennen Sie sich an dieser Stelle wieder – wobei ich nicht glaube, dass diese Sorte Mensch allen Ernstes diese Zeilen lesen wird. -Aber, wenn Sie mal jemanden treffen, der kein gutes Wort über mich sagt: Denken Sie an diese Zeilen. …Einer meinte allen Ernstes, dass er es zwar lobenswert fände, was wir (mein Mann und ich) für die Tiere tun, aber wir täten das ja auch nur, um uns zu profilieren. Er selbst hat ein Boot, zwei Autos, zwei Häuser und neuerdings auch noch ein Wohnmobil. So viel muss man ihm lassen — zumindest vom Profilieren hat er Ahnung. Aber das erklärt natürlich auch, warum er kein Geld für eine Spende mehr übrig hat.
Ferdinand ist so ein Fall, wo der Hintergrund des Tieres bewusst verschwiegen wurde. Er wurde mir am 02. Juni 2026, dem Tag, an dem er auch verstarb, gebracht. Er trägt die laufende Nummer: 39/26. Angeblich hatte der Sohn (Grundschulalter) auf dem Weg zur Schule mit dem Rad den Igel auf dem Radweg entdeckt. (Frage: Er hat dann angehalten und das Tier mitgenommen? Wie? Im Schulranzen? Und — wohin hat er es gebracht? Zurück nach Hause? Hat er es mit in die Schule genommen? Wie hat er seinen Vater kontaktiert? Hat ein Kind im Grundschulalter schon ein Handy? Und wie kam das Tier letztendlich in die Hände des Vaters, der es dann zu mir brachte? Wie gesagt, mittlerweile gibt kaum ein Igelfinder noch zu, dass das Tier aus seinem Garten stammt. So kann man immer die Hände abwehrend in die Höhe heben und laut verkünden: Ja, das ist ja nicht „unser“ Igel! Wir haben ihn ja bloß „irgendwo“ gefunden! Es war nicht unser Mähroboter! Wir haben ihn gebracht und damit unsere Pflicht getan.
Und selbst wenn das Tier tatsächlich nicht aus dem eigenen Garten kommt: Es braucht später einen Auswilderungsplatz, wo es weiter versorgt wird! Welchen Sinn macht es, ein krankes Tier gesund zu pflegen, wenn man es später einfach wieder irgendwo aussetzt, wo es kaum (k)eine Überlebenschance hat?!
Aber außerdem erschweren solche Lügen die Diagnose.
Ich weiß noch, was mein erster Gedanke war, als ich Ferdinand in der Hand hatte: „Er fühlt sich an wie ein nasser (knochenloser) Sack.“ Deshalb war meine erste Vermutung, dass er vielleicht angefahren worden sei. Da er aber keinerlei Prellungen, Schwellungen oder offene Wunden/Frakturen hatte — und er angeblich auf einem Radweg gefunden wurde —, dachte ich, dass vielleicht ein Fahrrad ihn angefahren haben könnte. Ferdinand war ein stattlicher Jungigel mit überraschend gutem Gewicht von 830 Gramm. Kaum Außenparasiten, Augen klar, gesunde Haut/Stacheln. Abgesehen davon, dass er total apathisch war, hatte er lediglich eine Bagatellverletzung an einem der hinteren Zehen.
Ich tippte auf innere Verletzungen. Aber ihm lief auch kein Blut aus einer der Körperöffnungen. Woher kam diese komische Apathie? Also gab ich ihm Schmerzmittel, Vitamin-B-Komplex und Antibiotika und legte ich unter ein Handtuch in eine Box. Dann habe ich ihm Tee gekocht. Als ich mit dem Tee zurückkam, war er gestorben. Dabei hatte sich vor seinem Mäulchen eine ziemlich große Pfütze mit Wasser gebildet. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Also rief ich Stefi an. Stefi weiß (noch 😉) so viel mehr als ich. Sie sagte, der Igel sei ertrunken. Ich habe das dann recherchiert und auch meine Tierärztin dazu befragt. Man nennt das „sekundäres Ertrinken“. Kommt bei Igeln wohl häufiger vor. Die Tiere können nämlich schwimmen, aber nicht besonders gut. Oft retten sie sich zwar wieder an Land, haben in der Zwischenzeit aber so viel Wasser geschluckt, das sie langsam daran ersticken. Laut meiner Tierärztin muss man das Tier dann kopfüber halten, damit das Wasser aus der Lunge abfließen kann.
Was habe ich daraus gelernt: Die erste Eingebung ist nicht nur in der Psychotherapie oft die richtige. Für Ferdinand kam diese Erkenntnis leider zu spät.
Was den Finder betrifft, so hatte ich ihm gesagt, dass selbst wenn der Igel nicht aus seinem Garten stamme, er nach der Genesung trotzdem ein sicheres zu Hause brauche. Der Mann war dann auch bereit, das Tier zurückzunehmen — jedoch nur so lange, bis er den Text „Bewerben Sie sich als Auswilderer“ auf unserer Homepage gelesen hatte. Unsere Arbeit in allen Ehren, aber 55 Euro Spende für eine Futterpalette und den ersten Sack Futter, dazu noch das Versprechen, das Tier (oder die Tiere – in so einem Garten leben ja auch noch andere Igel, die Hunger haben) regelmäßig zu füttern, war dann doch zu viel des Guten!
… da kann man nur hoffen, dass solche Menschen selbst als Igel wiedergeboren werden.
Noch so ein Fall ist Möhrchen #40/26. (Siehe Foto links) Was sie betrifft, so bin ich mir wegen der Diagnose immer noch nicht ganz sicher. Vielleicht auch deshalb, weil am selben Tag Endeavour zu mir kam, mit ganz ähnlichen Symptomen – ich aber nicht an Zufälle glaube.
Möhrchen lag auf der Terrasse einer Frau und in diesem Fall glaube ich der Person zumindest, was den Fundort angeht. Möhrchen ist eine Altigelin. Anhand ihrer schlechten Zähne ist sie mindestens 3-4 Jahre alt.
Sie kam am 09.06.2026 zu mir mit 600 Gramm (Unter)Gewicht. Im Pflegeprotokoll habe ich dazu geschrieben: stark abgemagerte Altigelin mit beidseitiger eitriger Konjunktivitis, starker Atemnot, sehr vielen Zecken, schlechter Haut, sehr schlechte Zähne, alte verheilte Verletzung an rechtem Ohr (typisch für Mähroboter).
Ich kenne solche Symptome: Sie deuten oftmals auf den Kontakt mit Schneckenkorn, Dünger oder anderen Pestiziden hin. Nach ein paar Tagen Antibiotika subkutan, inhalieren und antibiotischer Augensalbe ist der Igel – in der Regel – wieder fit.
Bei Möhrchen ist es jedoch etwas komplizierter. Wie die Kotprobe ergab, hat sie zusätzlich einen sehr schweren Befall mit Lungenwürmern (LW), Darmhaarwürmern (DHW) und selbst Darmsaugwürmer (DSW) wurden bei ihr nachgewiesen. (Letztere behandelt man in der Regel prophylaktisch, weil sie sich so schwer nachweisen lassen.) Allerdings, und das hatte ich eben schon mal erwähnt, muss ich zw. Frühling und Spätsommer immer damit rechnen, eine trächtige Igelin vor mir zu haben. LW und DHW behandelt man am besten mit Levamisol. Ein Mittel, dass man trächtigen Tieren jedoch nicht verabreichen sollte – genauso wenig wie Praziquantel (VetBancid) bei DSW-Befall. Weil es Möhrchen aber wirklich schlecht ging, habe ich sie entwurmt. Im Notfall hat bei mir das Leben des Muttertieres immer Vorrang. Aber irgendwie sagte mir mein Bauch auch, dass dieses Igelchen nicht auch noch schwanger ist.
Möhrchen ist jedenfalls eine Kämpferin! Sie wird regelmäßig inhaliert, weil sie so schlecht Luft bekommt. Am zweiten Abend hatte sie Schnappatmung und ich dachte: das war’s. Aber sie hat sich durchgebissen! Mittlerweile bin ich überzeugt, dass sie es schaffen wird. Sie ist immer noch sehr schwach und wackelig auf den Beinen. Sie schläft selbst nachts fast die ganze Zeit. Nur zum Fressen wird sie kurz wach. Und das gibt mit Hoffnung. Sie frisst und nimmt zu. Jeden Tag haben wir auch ein paar Zecken entfernt und nun ist sie parasitenfrei. Die Konjunktivitis ist ebenfalls fast abgeklungen. Leider ist die Atemnot noch nicht ganz weg und ich befürchte, dass sie durch den massiven Befall mit LW vielleicht einen bleibenden Schaden davongetragen hat. Oftmals kompensiert ein Igel das aber mit der Zeit. Und Zeit ist, was Möhrchen nötig hat.
Umso schmerzlicher ist es, dass auch ihre Finderin sie nicht zurückhaben will. Erst waren es ihre Katzen. Ich erklärte der Frau, dass Katzen für Igel kein Problem darstellen und diese auch nicht unter die Futterpaletten kommen, weil die Öffnungen nur 10x10cm sind und damit zu klein für Katzen. Daraufhin wollte sie Möhrchen zurück. Wollte selbst vorbeikommen, um sich vorab schon mal eine Futterpalette abzuholen und einen Sack Futter — für eine Spende von 55 Euro. Dann schrieb sie, sie habe einen Hexenschuss und könne auch keine Futterpalette zum Befüllen anheben. Kommen Sie, wenn es Ihnen besser geht, antwortete ich. Später habe ich ihr sogar noch zwei Videos von Möhrchen geschickt. Keine Reaktion mehr. Wie nennt man das heutzutage? Ich werde geghostet? Wie schaffen es solche Menschen bloß morgens ihr Gesicht im Spiegel anzusehen? Wahrscheinlich in dem sie sich selbst ghosten. Natürlich musste auch sie betonen, wie wertvoll sie unsere Arbeit findet. Natürlich: Wir räumen deine Scheiße weg! Und das auch noch kostenlos!
YouTube Short zu Möhrchen Anmerkung: In der Aufnahme verspreche ich mich und nenne sie irrtümlich Maggie.
You Tube Short Möhrchen schläft in meiner Hand
»Wenn wir alle etwas achtsamer mit unserer Umwelt wären und wirklich Rücksicht auf die Natur und die Tiere darin nehmen würden, bräuchte es gar keine Menschen, die Wildtiere retten!«
Wir werden nun auch für Möhrchen ein neues schönes zu Hause finden, wo sie es gut hat und pflichtbewusste Menschen sich gerne um sie kümmern. Leider ist das nur einer unter Tausend!
Themawechsel. Zurück zu etwas Gutem: Eine gute Fee hat uns gefunden und hat uns mit ihren Kleinanzeigen auf Ebay viele zuverlässige Auswilderer beschert. Danke Yvonne!!
Ebay bescherte uns wahrlich viele Wildtierfreunde, die in ihrem Garten nur zu gerne einem Igelchen ein neues zu Hause geben wollten. -Aber nur so lange, bis sie erfuhren, dass das Auswildern mit einer Spende von 55 Euro und dem Versprechen regelmäßig bei zufüttern verbunden ist. Eine Frechheit ist das, schrieb eine Frau und drohte mit Anzeige. Sie fand, dass wir uns damit bereichern und es in „ihrem“ Garten auch nicht nötig wäre Igel bei zufüttern. In ihrem Garten gebe es genügend Insekten! Zudem hätte Sie selbst Ahnung von Igeln und wisse, was für die Tiere das beste sei.
Hier meine Antwort:
Sehr geehrte Frau XY
-Mein Mann und ich haben 2025 insg. 103 Igel gepäppelt!
-Kosten: knapp 10.000 Euro!
-Knapp die Hälfte haben wir aus der eigenen Tasche bezahlt!
-Unser Verein finanziert sich durch Spenden – wobei mein Mann und ich immer noch die größten Spender sind.
-Jedes Tier, das wir zz. auswildern, ist eine HANDAUFZUCHT und war ein verwaistes Igelbaby, in das wir extrem viel ZEIT und LIEBE investierten.
Eine exakte Kostenrechnung/Rechenschaftsbericht finden Sie auf unserer Homepage auf der Seite „Jahresrückblick 2025“
Sie reden von „Ihrem“ Aufwand und „Ihren“ Kosten, wenn sie Igel aufnehmen, so als müssten wir Ihnen auch noch dankbar sein! Dieses Jahr haben wir insgesamt schon 48 Igel ausgewildert. Das heißt: Wir fahren zu den Auswilderern, teilweise auch ins Emsland oder Friesland bis zu 100 KM hin und zurück und bringen Menschen, wo mein Bauch mir sagt, es sind tierliebe Menschen ohne vorgefertigte Meinung und keine arroganten Besserwisser und bringen ihnen 2 Tierchen, inkl. 2 Schlafhäusern und 2 Futterpaletten und einem Gehege mit Trennwand, wo die Tierchen erst noch ca. 10 Tage bleiben, um sich zu akklimatisieren. Ab dem Moment sind wir immer für diese Leute da! Nach ca. 10 Tagen fahren wir erneut hin, um das Gehege, eine Futterpalette und die Schlafhäuser abzuholen. Die Auswilderer spenden 55 Euro für 1 Futterpalette, die den Vorteil hat, dass keine Katzen hineingelangen und den ersten Sack Futter! Wenn sie möchten, können sie für 45 Euro auch ein Schlafhaus erwerben. In der Regel schenkt mein Mann den Leuten aber ein Schlafhaus, wenn sie keins bezahlen wollen – ebenso wie 1 KG Mehlwürmer und 2 Plastiknäpfe, die zum Füttern von Igeln ideal sind. Alle Schlafhäuser und Futterpaletten baut mein Mann selbst aus alten Paletten, die er mühselig auseinandernehmen muss. Er hat den ganzen Winter bei EISESKÄLTE in der Scheune gestanden, um genügend Häuser und Paletten zu bauen, damit wir alle Tiere auswildern können! Wenn überhaupt etwas eine FRECHHEIT ist, dann ist es Ihr Kommentar.
Wir verdienen uns sicher keine goldene Nase am Päppeln oder Auswildern von Igeln! Aber wir sind auch sicherlich keine dummen Gutmenschen! Ihnen ist es keine 55 Euro wert. Nun, ich sage Ihnen: Sie sind es nicht wert, dass wir bei Ihnen auswildern. Ich kann auch nicht RIECHEN, was für ein Wissen Sie über Igel haben – jedenfalls ist es nicht viel.
MfG
Kristina Martha Bruins
1. Vorsitzende Igelverein Aurich e.V.
…dieselbe Person hat mir dann vor kurzem noch mal geschrieben, dass sie mit einer Schlagfalle versuche, Ratten und Marder zu fangen. Nun habe ein Igel den Käse gefressen und läge wie tot am Boden. Sie bräuchte dringend meine Hilfe. Dreißig Minuten später mailte sie erneut, es sei falscher Alarm gewesen, der Igel sei weg. Ich habe beide Mails allerdings auch erst eine Stunde später gesehen und nicht mehr reagiert. Hätte es etwas gebracht, dieser Person zu erklären, dass man Schlagfallen — wenn man sie denn schon benutzt — NIEMALS direkt auf den Boden stellt, wo auch ein Igel drankommt? Ratten und Marder können hochspringen. Und natürlich tappt auch ein hungriger Igel in eine Falle, selbst für ein Stück Käse!
Seit dem 23.06.2026 habe ich nun einen Igel in Behandlung, der ebenfalls in eine Schlagfalle für Ratten tappte. Was die Dinger anrichten können, lesen Sie hier: #47/2026 FRIDOLIN
Verantwortliche
Autorin dieses Blogs:
Kristina Martha Bruins
Dieser Blog ist nicht KI generiert, sondern selbst verfasst!
Wenn Ihnen unser Einsatz für die Igel gefällt – bitte spenden Sie!
Donate Igelverein Aurich e.V.
Blog 21 Igel-Tagebuch 2026
Bildnachweis:
Alle Fotos stammen aus dem privaten Fundus von Kristina und Theo Bruins.
Copyright 2026 by Kristina Bruins




