Anzahl gepflegter Igel 2025: 103
Davon bis zum 11.08.2025 nur 18 Igel! Ab 11.08.2025 bis 31.12.2025 85 Igel. Grund: unsere Homepage, durch die wir nun zu finden waren.
Von den 103 Igeln waren zudem nur 42 weiblich und 61 männlich
Igel mit Verletzungen durch Mähroboter oder Freischneider: 21, davon 5 Jungigel
Igel mit schwerem Pilz und/oder Milbenbefall (Systemmykose): 2, davon 1 Jungigel (Amorie)
Igel mit Verletzungen durch Hundebisse: 5, alles Jungigel (u.a. Belinda)
Untergewichtiger (Jung)igel mit Prellung durch Mausefalle: 1
Verwaiste/untergewichtige Igelbabys oder Jungigel: 55
Untergewichtige Altigel: 2
Andere Aufnahmegründe: 2 (Jannik und Newt)
Verstorben: 18
Todesursachen:
7 Igel starben an ihren Verletzungen durch Mähroboter, davon 4 Jungigel
1 untergewichtiger Jungigel mit massivem Giardienbefall (Innenparasiten)
1 untergewichtiger Jungigel mit massiven Befall von Lungenwürmern, Lungenhaarwürmern und Darmhaarwürmern
1 schwangere Igeln verstarb (wahrscheinlich) an der Steißlage bei der Geburt (Newt)
1 Altigel verstarb (wahrscheinlich) an Altersschwäche (Anton)
3 Igelbabys/Jungigel wurden schon mit Schnappatmung gebracht und verstarben am selben Tag, innerhalb weniger Stunden
2 Jungigel verstarben durch Hundebisse
1 Jungigel war beim Eintreffen schon verstorben, wahrscheinlich erstickt. Sein Finder hatte ihn in einer geschlossenen Plastikbox für Butterbrote gebracht. Ich habe dem Tier trotzdem eine Pflegenummer und einen Namen gegeben, weil Bert bei seinem Eintreffen noch ganz warm war und ich hoffte, ihn durch leichte Herzmassage wiederbeleben zu können. Außerdem musste ich seinen toten Körper zum Tierarzt bringen. Ein anderer Jungigel, der ebenfalls schon tot hier eintraf, hat keine Nummer und keinen Namen bekommen. Er war schon mindestens drei oder vier Tage tot und seine Finderin hat ihn wieder mitgenommen.
2 Jungigel verstarben nach einigen Tagen, genaue Todesursache ungeklärt (dazu hätten sie wohl obduziert werden müssen)
Kosten für 103 Igel: 8.118,95 Euro. Davon Spenden: 5.735,81 Euro.
Eine genaue Auflistung aller Kosten/Überschussrechnung finden Sie hier: UK Igel 2025 für Homepage / UK Igel 2025 Zusatz für Homepage
Fakt ist jedoch, dass nur einer von 20 Igelfindern etwas spendet und dann selten mehr als 10 Euro. Zweimal verlangten Igelfinder eine finanzielle Aufwandsentschädigung von uns dafür, dass sie das Tier zu uns gebracht hatten. -Natürlich sind wir der Aufforderung nicht nachgekommen, was allerdings nie ohne Disput gelang.
Über jeden Igel führen wir ein sehr gewissenhaftes Pflegeprotokoll. Darauf wird der Grund der Aufnahme vermerkt, die Adresse des Finders und wann und wo das Tier wieder ausgewildert wurde, nebst der Adresse des Auswilderers. Leider ist es nämlich so, dass nur die aller wenigsten Finder das Tier später wiederhaben möchten, auch wenn es aus dem eigenen Garten stammt. Fakt ist auch, dass Igelfinder generell selbst keine Mähroboter betreiben. Die Mähroboter haben immer nur die Nachbarn. Nur ein einziger Igelfinder hat geradeheraus zugegeben, dass sein Mähroboter den Igel (Tiberius) so zugerichtet hatte. Er meinte, er wüsste genau, wie gefährlich die Dinger seinen – deshalb liefe sein Mähroboter generell nur nachts. Tagsüber spielten nämlich seine Kinder im Garten. (Dass seine Kinder wohl kaum den ganzen Tag im Garten waren, ließ er nicht gelten.) Ein weiterer Fakt ist der, dass die meisten Igelpäppler nicht deshalb wieder aufhören, weil ihnen die Arbeit mit den Tieren zu viel wird, sondern weil sie krank werden von den Menschen, die Igel zu ihnen bringen. Auf einen netten Igelfinder kommen mindestens zwei andere.
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mit dem Andrang nach dem 11.08.2025 auch nicht gerechnet hatte. Obwohl ich es mir wahrscheinlich hätten denken können. OFL ist in Sachen Igelpfleger/Igelpäppler mehr als arm dran! Die einzige Wildtierstation in Rastede nimmt z.B. generell keine Igel auf. (Ich frage mich, welche Wildtiere die dort überhaupt aufnehmen. Immerhin ist der Igel wohl das Wildtier schlecht hin, dass am häufigsten mit Verletzungen gefunden wird.) Stattdessen macht man es sich dort bequem und gibt Findern unsere Telefonnummer. Leider waren wir aber nicht in der Lage, alle Tiere aufzunehmen – was bei vielen Menschen zu mehr als Unmut führte. Genauso wie der Umstand, dass die meisten Igelfinder verlangen, dass man das Tier bei ihnen abholt.
Mir bricht es jedes Mal das Herz, wenn ich dann Sprüche höre, wie, wenn Sie das Tier nicht abholen, werfe ich es in den Müll oder setze es wieder aus. Für mich ist das schlimmer als wenn mir jemand sagt, dass wenn er kommt, dann nur um mir die Fresse zu polieren. Was das angeht und die Tiraden an Schimpfwörtern, die ich mir am Telefon von einigen Menschen habe anhören müssen, habe ich ein ziemlich dickes Fell. Die meisten Igelfinder glauben tatsächlich, dass wir verpflichtet sind, jedes Tier aufzunehmen und abzuholen.
Letztendlich haben die Argumentationen am Telefon, um es einmal nett zu formulieren, nur dazu geführt, dass wir nicht mehr ans Telefon gehen und Igelfinder uns eine höfliche Mail schreiben müssen. In dieser müssen sie sich u.a. verpflichten, das Tier zu bringen. Erst dann melde ich mich telefonisch. Das ändert aber nichts daran, dass viele Tiere deshalb nicht gerettet werden können. Zudem ist unser Platz hier mehr als begrenzt und auch der Tag von mir und meinem Mann hat nur 24 Stunden. Wir können zu zweit einfach keine 50 Tiere versorgen. 20 ist das Maximum, was Zeit und Platz angeht.
Ursprünglich war ja mal eine Auffangstation in Aurich geplant. Nur leider hatten unsere Geldgeber den Mund etwas zu voll genommen. Und weder die Stadt Aurich noch der LK war in der Lage, uns ein geeignetes Gebäude zu überlassen – obwohl es sicherlich etwas passendes in Aurich gegeben hätten. Aber zum Betreiben einer Station braucht man die nötigen freiwilligen Helfer und auch die waren nirgends zu finden. Dann haben mein Mann und ich kurz überlegt, ob wir unsere Garage umbauen, sodass wir mehr Tiere aufnehmen können. Ohne eine Genehmigung vom Bauamt wollten wir das allerdings nicht machen und die bekommen wir nicht.
Aus der Not heraus entstand dann eine neue Idee: Igelfinder müssen ihr Tier selbst päppeln, falls es nicht (schwer)verletzt ist oder es sich um ein Igelbaby handelt. Dann müssen sie das Tier erst ab dem Zeitpunkt übernehmen, wo nur noch eine einfache medizinische Versorgung bspw. mit Salbe nötig ist oder im Falle eines Igelbabys das Tier nicht mehr gefüttert werden muss. Aber auch das ist einfacher gesagt als umgesetzt. -Wir können nämlich niemanden zwingen, seinen Igel wieder abzuholen, geschweige denn selbst weiter zu päppeln. Wir haben auch schon den Fall erlebt, wo Mutter und Tochter am Telefon hoch und heilig versprachen, selbst zu päppeln und nachdem ich ihnen meine Adresse gab, haben sie das Tier hier abgegeben und sich aus dem Staub gemacht. Oder jemand hat wirklich versucht, selbst zu päppeln, aber so gewissenlos und schlecht, dass wir den Igel letztendlich doch übernommen haben. Ich frage mich wirklich, wie solche Leute ihre Kinder groß bekommen. (Lesen Sie hierzu bitte die Seite: TIPPS FÜR SELBSTPÄPPLER)
Einige unserer “Patienten” aus 2025 möchte ich Ihnen nun vorstellen:
Kürzelliste:
WVS = Wundversorgung
s.c. = subkutan
LW = Lungenwürmer, LHW = Lungenhaarwürmer, DHW = Darmhaarwürmer, DSW = Darmsaugwürmer
* = leichter Befall Innenparasiten, ** = mittelschwerer Befall, *** = schwerer Befall
#2/25 IGOR, Jungigel aus 2024, Aufnahmegrund: Verlust des halben rechten äußeren Ohres durch einen Mähroboter o.ä.
Datum Aufnahme: 21.12.2024, Gewicht: 710 Gramm
Bei der Wunde handelte es sich um eine ältere Wunde, die zudem schon total verkrustet war. (Leider mache ich nur in den seltenen Fällen gleich Fotos von den Verletzungen. Für mich steht immer zuerst die Behandlung im Vordergrund und danach das Dokumentieren.) Und wahrscheinlich hätte Igor das auch überlebt, wäre er nicht gefunden worden. Die Leute hatten ein Igelschlafhaus in ihrem Garten und hatten uns kontaktiert, weil ich damals noch einen Aushang im Baumarkt hatte, über den ich Auswilderer für Igel suchte. Als die Leute meinten, sie hätten ein Schlafhaus für Igel in ihrem Garten, in dem auch ein Igel schlafe, wurde mein Mann hellhörig. Die Erfahrung hat uns nämlich gelehrt, dass Igel Schlafhäuser nur über einen längeren Zeitraum nutzen, wenn sie verletzt sind. Mein Mann fragte daraufhin, ob er sich das Haus mal ansehen dürfe. Da die Leute befürchteten, es könnte auch eine Ratte darin liegen, waren sie einverstanden.
Außerdem hatte Igor einen exorbitant hohen Befall mit Flöhen! Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum er noch nicht im Winterschlaf war: Er konnte nämlich gar nicht mit dem Kratzen aufhören! Das Schlafhaus musste jedenfalls gründlich gereinigt und ausgeflämmt werden. Da die Leute aber auch eine Rattenplage hatten, wurde Igor später wo anderes ausgewildert.
Die Untersuchung zu Hause ergab, neben der Ohrverletzung, auch noch ein mittelschweres Abszess an der rechten Seite.
Die WVS bestand aus Schmerzmittel, einem Antibiotikum, das alle 48 Stunden s.c. gespritzt wird und Rivanolsalbe für das Ohr.
Das Abszess habe ich mit der Kanüle einer Spritze aufgestochen, sodass der Eiter abfließen konnte. Danach wurde die Wundhöhle mit einem Antiseptikum gespült und mit antibiotischer Salbe gefüllt. Diese Behandlung wurde täglich wiederholt, bis das Abszess verheilt war.
Außerdem wurde natürlich eine Kotuntersuchung vorgenommen. Diese ergab einen *** Befall mit DHW, ** Befall mit LW und ** Befall mit LHW. Das volle Programm also! Mich wunderte, dass er trotzdem so ein gutes Gewicht hatte. Aber einige Tiere “leiden” kaum unter Symptomen, obwohl sie einen *** Befall mit mehreren Innenparasiten haben und andere Tiere haben nur einen * Befall eines einzigen Parasiten und zeigen starke Symptome.
Bei mir werden auch alle Altigel prophylaktisch gegen DSW behandelt. Dieser lässt sich nämlich nur schwer nachweisen, ist aber sehr gefährlich.
Flöhe behandele ich grundsätzlich mit Permethrin Biomo. Ich habe einen Grundsatz: nur toten Flöhe sind gute Flöhe. Dasselbe gilt auch für Zecken!
Fast alle Igel werden während ihrer stationären Aufnahme auch einmal gebadet. Die meisten Tiere sind nämlich wahnsinnig dreckig. Die warme Heizungsluft ist ihrer Haut auch nicht wirklich förderlich. Trotzdem muss die Raumtemperatur immer ca. 21 Grad betragen. Besonders wichtig ist das gerade im Winter, weil man ja auch nicht möchte, dass ein Tier mit Verletzungen in den Winterschlaf fällt. Bei 21 Grad ist das fast unmöglich und Verletzungen müssen vor dem Winterschlaf immer komplett verheilt sein. Der Heilungsprozess stagniert nämlich während des Winterschlafes und eine offene Wunde könnte anfangen zu faulen.
Ist ein Igel “nur” schmutzig, bade ich ihn in Apfelessig. Einen Tag später wird er dann zwischen den Stacheln mit Kokosöl eingeölt. Das – und ein einwandfreies Hygienemanagement – sind der beste Schutz, damit ein Tier während seines stationären Aufenthaltes nicht auch noch einen Hautpilz entwickelt!
Mit nur noch halben Ohr, aber einer gut verheilten Wunde, bezog Igor am 15.01.2025 dann bei uns ein Quartier in einem der Außengehege, wo er seinen Winterschlaf verbrachte.
Datum Auswildern: 27.05.2025, Gewicht: 1205 Gramm
#4/25 JANNIK “Dikkie”, Jungigel aus 2024, Aufnahmegrund: extremes Übergewicht, starken Milben/Pilz-Befall (??), lt. Päpplerin, die das Tier brachte, will er auch nicht in den Winterschlaf
Datum Aufnahme: 19.03.2025, Gewicht: 1317-!! Gramm
Die Geschichte von Jannik ist leider ein einziger Leidensweg! Seine “Päpplerin” hatte den NABU OFL kontaktiert, der sie an mich verwies. Die Frau meinte, sie päpple einen Jungigel in ihrer Garage. Leider wolle er partout nicht in den Winterschlaf. Sie führe nun in den Urlaub und hätte niemanden, der sich um das Tier kümmere. Ein Igel, der im März noch nicht schläft, hat definitiv ein Problem. Doch die Frau erklärte, sie wäre von einer sehr erfahrenen Igelpäpplerin telefonisch begleitet worden. Leider sei diese Frau nun aber schon seit einiger Zeit nicht mehr zu erreichen.
Nach einer Diskussion darüber, warum ich das Tier nicht auch bei ihr in der Nähe von Emden abholen könnte, brachte sie mir schließlich den Igel. Mein erster Gedanke war: massiver Befall mit Pilz und/oder Milben. Seine komplette Haut, die Nase und die Fußballen waren mit dicken weißen Schuppen übersäht. (Deshalb fasse ich Igel – gerade Neuzugänge prinzipiell nur mit Einweghandschuhen an und die Transportbox, die Finder benutzen, um mir ein Tier zu bringen, darf nicht ins Haus. Ich nehme die Igel immer draußen in Empfang und wickle sie in ein Handtuch, um sie in meinem Behandlungsraum im Keller zu bringen.)
Außerdem war der kleine Mann viel zu dick und hatte Flöhe. Ansonsten jedoch augenscheinlich unverletzt. Ich fragte die Frau, ob ihr denn nicht aufgefallen wäre, wie seine Haut aussah. Die Frau gab sich pikiert.
Ich erklärte, dass ich das Tier behalten und mich melden würde, sobald ich mehr über seinen Zustand wüsste. Im Frühling würden wir ihr den Igel dann wieder bringen, nebst Schlafhaus und Gehege zum Auswildern. Doch die Frau meinte, sie hätte genug Igel im Garten und diesen wolle sie nicht zurück – so geht es oft.
Nachdem die Frau wieder weg war, habe ich den kleinen Mann als erstes in Imaverol, einem Pilzmittel gebadet und erschrak! Sobald ich Jannik in die Schüssel mit warmem Wasser hielt, schäumte es auf, als ob jemand Brausepulver hineingeschüttet hätte und das Wasser verfärbte sich sofort weiß. Ich muss dazu sagen, dass ich Igel immer zuerst mehrmals in klarem Wasser bade, um den Dreck zu entfernen, bevor ich im letzten Badegang ein Mittel hinzufüge. Nachdem Janniks Haut wieder trocken war, sah sie aus wie neu – zwar extrem trocken, aber kein weißer Belag mehr. Nachdem ich ihn dann noch am folgenden Tag mit Kokosöl behandelt hatte, war von einem angeblichen Pilz oder Milben keine Spur mehr zu finden und ich fragte mich, was das weiße Zeug auf seiner Haut wohl gewesen sein mochte. Nach dem Bad hatte ich allerdings auch gesehen, dass er ganz wunde Füße hatte.
Also rief ich die Frau, die ihn gebracht hatte, noch mal an. So erfuhr ich, dass sie ihn angeblich auf Geheiß dieser erfahrenen Päpplerin in einer Box mit Katzenstreu und zusammengeknülltem Zeitungspapier gehalten habe. Ich war außer mir und konnte kaum glauben, dass ihr das von einer Igelpäpplerin so gesagt worden war! Sie nannte mir auch den Namen dieser Person mit dem Hinweis, falls ich ihr nicht glauben sollte. Ich ließ es auf sich beruhen.
Die Kotuntersuchung ergab nur einen * Befall mit LW und da Jannik keinerlei Symptome zeigte und ich es wichtiger fand, dass er endlich seinen wohlverdienten Winterschlaf antreten könnte, bezog er am 29.03.2025, nur 10 Tage später und mit einer Haut so glatt wie ein Kinderpopo sein Quartier im Außengehege. 48 Stunden später war er tief und fest im Winterschlaf. Wir hatten mit dem Umzug ins Außengehege auch nur 10 Tage warten müssen, weil seine wunden Pfötchen zuerst verheilen mussten.
Nach seinem Winterschlaf behandelte ich ihn noch gegen den LW und dann bezog er sein neues Quartier bei einer Familie in Aurich, die ihn wieder auswilderte.
Am 11.07. 2025 brachten mir diese Auswilderer dann einen verletzten Igel. Da alle Igel von mir eine Markierung mit Nagellack bekommen, war schnell klar, dass es sich bei dem Tier um Jannik handelte. Leider konnte letztendlich nur die Tierärztin den kleinen Mann von seinem Leid erlösen.
Datum seines Todes: 11.07.2025, Ursache: massive Verletzungen durch Mähroboter. Schwere Kopfwunde mit Madenbefall. Rechtes Auge fehlt. Schwere Wunde mit Madenbefall an rechter Körperhälfte. Gewicht: 766 Gramm.
#20/25 Newt, Altigel, geboren 2022
Ich weiß deshalb so genau, in welchem Jahr Newt geboren wurde, weil sie einer der Igel ist, die 2023 mit uns nach OFL umzogen. Wir hatten sie im Herbst davor als untergewichtigen Jungigel aufgenommen. Als wir dann Ende Februar 2023 nach OFL zogen, befanden sich insgesamt 9 Igel im Garten unseres alten Hauses im Winterschlaf. Sie wurden in ihren Schlafhäusern kurzerhand mit ins Auto verfrachtet und mitgenommen. Keiner der Igel wurde dabei wach. Eingeschlafen waren sie im Winter in NRW, wach wurden sie im Frühling in OFL. Einige haben wir dann in unserem eigenen Garten ausgewildert – darunter auch Newt.
Das Foto zeigt Newt übrigens 2022, nach ihrem Auffinden – noch mit Krusten auf der Nase.
Überall in unserem Garten stehen neben Futterpaletten für Igel auch Schlafhäuser. Nur leider haben wir eher die Erfahrung gemacht, dass Igel – außer sie befinden sich zum Päppeln oder Winterschlafen in einem Gehege – diese Schlafhäuser eher verschmähen. Wir haben z.B. ein Haus im Garten, dass wir nur das Lazarett nennen. Liegt dort morgens ein Igel, können wir sicher sein, dass er verletzt ist oder ihm sonst etwas fehlt und sei es bloß eine kirschgroße Zecke mitten im Gehörgang. Auch Newt hatte in der Vergangenheit schon mit einer Verletzung darin gelegen. (2023 und 2024 stammten tatsächlich noch die meisten der Igel, die wir behandelten aus unserem eignen Garten. Dank eines einzigen Mähroboters in der Nähe, der nachts betrieben wurde und einem Gärtner, der hier in der Straße ein Grundstück pflegt und sich einen Dreck um Wildtiere schert. Hauptsache, der Rasen ist kurz, das Unkraut vernichtet, das Unterholz abgesägt.)
Umso erfreuter waren wir, als wir im Sommer 2025 feststellten, dass Newt eines der Schlafhäuser als Dauergast bezog, ohne dass sie verletzt war. Sie wohnte fast 4 Wochen in dem Haus. Weil uns das irgendwie aber auch komisch vorkam, holte mein Mann sie mehrmals rein – ich konnte aber keinerlei Verletzung feststellen und auch ihr Verhalten war unauffällig. Mit durchschnittlich ca. 900 Gramm war vielleicht ihr Gewicht etwas zu niedrig, aber andererseits war Newt nie eine wirklich dicke Igelin gewesen. Ich mutmaßte allerdings, das sie schwanger war. Am 17.08. 2025 lag sie am frühen Abend plötzlich auf dem Rasen vor ihrem Haus. Wir holten sie rein und ich legte sie in eine Päppelbox. Sie hatte starke Wehen – soviel war mir klar, obwohl ich noch nie eine Igelgeburt miterlebt habe. Nie im Leben hätte ich jedoch damit gerechnet, dass sie eine Steißlage haben könnte und dass das wahrscheinlich der Grund war, warum sie die ganze Zeit über im Schlafhaus gelegen hatte. Sie ahnte, das etwas mit ihrer Schwangerschaft nicht in Ordnung ist und kam zu uns auf der Suche nach Hilfe und wir haben das nicht kapiert. Ich wollte sie auch nicht nerven oder stören und so ließ ich Newt in ihrer Päppelbox alleine. Da war ihr Unterleib schon dick angeschwollen und es sah so aus, als presse sie jeden Moment ein Baby heraus. Als mein Mann und ich jedoch nach knapp einer Stunde nochmals nach ihr sahen, war sie schon tot. Wahrscheinlich hatte sie tierische Schmerzen und ich habe das einfach nicht kapiert. Dass mit der Steißlage ist auch nur eine Schlussfolgerung von mir. Wir haben sie nie obduzieren lassen. Sollte jedoch noch mal eine Igelin im Sommer für längere Zeit in einem der Schlafhäuschen liegen, werde ich sie mit zum Tierarzt nehmen und auf eine Ultraschalluntersuchung oder Röntgen bestehen. Mein Mann und ich machen uns wegen Newt jedenfalls die größten Vorwürfe.
Datum ihres Todes: 17.08.2025, Gewicht: 886 Gramm
#22/25 TIBERIUS, Jungigel aus 2024, Aufnahmegrund: sehr schwere multiple Verletzungen durch Mähroboter mit Madenbefall
Datum Aufnahme: 31.08.2025, Gewicht: 540 Gramm
Auch hier habe ich erst Fotos gemacht, nachdem ich die erste WVS vorgenommen hatte: Schmerzmittel, Antibiotika, entfernen der Maden und Fliegeneier, säubern der Wunden. Ich bin mittlerweile ganz dazu übergegangen, solche Tiere als erstes zu baden. Das warme Wasser löst die Krusten und spült gleichzeitig schon zumindest einige der Fliegeneier mit weg. Als letztes bade ich das Tier dann in Rivanol. Zwar darf Rivanol auf keinen Fall in die Augen gelangen, da ist blind macht, aber am Körper tötet es alle Maden und Fliegeneier. Wichtig ist, dass man alle Krusten entfernt, weil auch darunter oft noch Maden zu finden sind, genau wie in den Ohren und allen anderen Körperöffnungen.
Bei Tiberius war ich mir zuerst auch nicht sicher, ob er es schaffen würde, zumal ich befürchtete, dass er beide Augen verloren und sich Maden durch die Augenhöhlen gefressen haben könnten. Das einzige Mittel, dass wirklich alle Maden tötet, die sich schon bis ins Körperinnere gefressen haben, ist Dectomax! Leider wird es von vielen Igelpflegern abgelehnt. Sie meinen, es könnte tödlich sein, weil es über die Leber abgebaut wird. Ich habe Dectomax schon wirklich schwachen Tieren (wie Tiberius) verabreicht und zwar in der Höchstdosierung. Bislang ist an Dectomax bei mir jedenfalls noch kein Igel gestorben und auch nicht an Madenfraß – dank Dectomax.
Um 20.30 habe ich mit seiner Behandlung angefangen. Um 21.50 habe ich ihn in seiner Päppelbox vor ein Schälchen mit Futter gesetzt und er fing sofort an zu fressen. Am nächsten Morgen wog er schon 560 Gramm.
Tiberius am 02.09.2025 mit 562 Gramm Gewicht. Leider hat er dann, wie so viele Igel mit schweren Verletzungen, ein Abszess ausgebildet. Seines war so groß, dass mir nichts anderes übrig blieb, als es aufzuschneiden. (Anmerkung: Außer Amputationen kann ich alle Operationen selbst vornehmen. Woher ich das kann ist eine andere Geschichte. Und seit ich den Sachkundenachweis nach § 11 des TschG bekommen habe, darf meine Tierärztin mir z.B. auch Narkosemittel aushändigen. )
Die Wunde vom Abszess sieht jedoch schlimmer aus, als sie ist. Die große Öffnung hat auch den Vorteil, dass sie so schnell nicht zugehen kann. Sie muss nämlich geöffnet bleiben, da man jeden Tag die Wunde mit antiseptischer Lösung spülen muss, um neuen Eiter zu entfernen.
Tiberius am 06.09.2025 mit 590 Gramm
Immer wieder musste ich seine Krusten entfernen. Zu dem Zeitpunkt war aber schon klar, dass seine Augäpfel noch intakt waren – nur ob und wie gut er würde sehen können, war noch offen.
Tiberius am 06.09.2025 nach dem Entfernen der Krusten links.
Tiberius am 06.09.2025 nach dem Entfernen der Krusten rechts.
Unten sieht man noch eine Pfote. Beide Vorderpfoten und eine Hinterpfote waren ebenfalls schwer verletzt worden.
Ich wünsche jedem Menschen, der mutwillig ein Tier verletzt oder in Kauf nimmt, dass sein Mähroboter oder Freischneider oder sein Brauchtumsfeuer ein Wildtier verletzt oder tötet, er möge dieselben Verletzungen erleidet oder genauso qualvoll sterben wie das Tier. Leider ist das Universum nicht gerecht – außer wenn es einen Fehler macht.
Tiberius am 06.09.2025. Säubern des Abszesses.
Tiberius am 08.09.2025 mit 615 Gramm Gewicht.
Tiberius am 10.09.2025 mit 670 Gramm Gewicht.
Er sieht und hält auch Blickkontakt mit mir.
Tiberius am 12.09.2025 mit 690 Gramm Gewicht.
Das Abszess bildet keinen Eiter mehr und heilt gut, so wie auch alle anderen Wunden.
Tiberius am 18.09.2025 mit 767 Gramm Gewicht.
Tiberius am Tag als er bei lieben Menschen ein neues Zuhause fand. 25. 09.2025 mit 945 Gramm Gewicht.
Sein “Finder” war übrigens das Subjekt, dass meinte, er wüsste genau, wie gefährlich Mähroboter seien. Deshalb liefe der in seinem Garten auch nur nachts, weil tagsüber seine Kinder dort spielten. Indem er Tiberius zu uns brauchte, glaubte er, mehr als nur seine Pflicht getan zu haben. Immerhin sei das sein Garten und der seiner Kinder – ein Igel habe da nichts zu suchen. Lebten die nicht im Wald? Es erübrigt sich zu erwähnen, dass solche Menschen niemals auch nur einen Pfennig spenden würden. Aber ich wünsche mir, dass das Universum in seinem Fall BITTE einen Fehler macht.
Einen schwer verletzten Igel wie Tiberius gesund zupflegen, kosten ca. 300 Euro. Schon alleine die Narkosemittel und das Schmerzmittel sind extrem teuer. Aber wenn man in das Gesichtchen hier links sieht, dann weiß man, wofür man das tut.
#24/25 GERD, Jungigel aus 2025, Aufnahmegrund: Verletzungen an beiden Vorderpfoten mit sehr starkem Madenbefall. Große Maden! Linkes Vorderbein möglicherweise gebrochen. Linkes Ohr kompl. verschlossen mit Maden und Fliegeneiern. Kl. Abszess an rechter Hüfte. Stark untergewichtig.
Datum Aufnahme: 18.09.2025, Gewicht: 149,7 Gramm (Bis 500 Gramm Gewicht gebe ich auch die Nach-Komma-Zahl an. Das tägliche Wiegen um ungefähr dieselbe Uhrzeit ist enorm wichtig. Nimmt ein Tier drei Tage in Folge ab, ist i.d.R. etwas nicht in Ordnung.)
Gerdchen ist einer der Igel, von denen ich kaum Fotos gemacht habe. Ich vergesse das einfach sehr oft. Was mir bei ihm die meistens Sorgen bereitete, waren auch nicht seine Verletzungen, sondern die vielen Maden und vor allen Dingen deren Größe! Die Größe ließ darauf schließen, dass sie mindestens 3 Tage alt waren und das bedeutete, dass sie sich a.j.F. schon durch seine Haut gefressen hatten.
Als erstes bekam der kleine Mann also wieder mein heiß geliebtes Dectomax und zwar die absolute Höchstdosis dessen, was sein kleiner ausgemergelter Körper verkraften konnte. (Dabei geht es allerdings um Einheiten in Mü.) Ich musste jedoch sicher sein, dass das Mittel alle Maden in seinem Inneren auch wirklich tötet, anderenfalls hätte er ohnehin keine Überlebenschance gehabt. Und dann musste ich natürlich hoffen, dass die Maden nicht schon lebenswichtige Organe dermaßen anfressen hatten, dass er daran sterben würde.
Natürlich bekam er auch Schmerzmittel, Antibiotika und Vitamin-B-Komplex – alles s.c.
An seinem linken Bizeps hatten sich die Maden schon bis auf den Knochen durchgefressen. Im Muskelgewebe war ein stopfnadeldickes Loch, aus dem noch eine Made herausguckte, die ich so mit der Pinzette wieder herausziehen konnte. Das linke Vorderbeinchen war zudem stark geschwollen und ich konnte eine Fraktur nicht ausschließen.
Auch sein linkes Ohr war verstopft mit Fliegeneiern und darunter Maden. Weil Rivanol Lösung blind macht und ich Angst hatte, es könne in die Augen laufen, löste ich eine CapStar in warmem Wasser auf und spülte damit so lange das Ohr, bis ich so sicher wie möglich sein konnte, dass alle Maden tot waren. (Maden hassen Rivanol und CapStar. Kommen sie damit in Kontakt, versuchen sie gleich zu flüchten. Im Ohr kommen sie dann ganz schnell wieder herausgekrochen. Trotzdem ist das ein Risiko und deshalb wünsche mir auch ein beleuchtetes Otoskop mit Spezial-Pinzette. Mit dem Otoskop kann man ins Ohr schauen und mit der Pinzette durch das Otoskop hindurch z.B. Maden entfernen.)
Ein anderes Problem ist, dass die allermeisten Igel immer erst abends gefunden/gebracht werden – oder aber am Wochenende. Also immer dann, wenn kein Tierarzt zu erreichen ist, außer vielleicht der Notdienst. Auch Gerdchen wurde erst abends gebracht. Allerdings war sein Finder sehr nett und erkundigte sich auch später noch regelmäßig per Email nach seinem Befinden. Und – oh Wunder – er spendete 50 Euro. Allerdings meinte er, er habe den kleinen Kerl am Wegrand gefunden und könnte ihn später nicht bei sich auswildern.
Jedenfalls fuhr ich am nächsten Tag zuerst mit ihm nach Emden zu meiner Haustierärztin. Diese röntge das linke Vorderbein. Gebrochen war nichts, aber er hatte durch den Madenbefall eine Knochenentzündung. Deshalb trägt er auf dem Foto links auch einen Metallring zur Kühlung um sein linkes Beinchen. Außerdem machten wir alle 2 Tage Aqua-Gymnastik in einer großen Schüssel mit warmen Wasser, um seine Sehnen zu strecken. Und er bekam Traumeel und Zeel s.c. – homöopathische Präparate, die bei Entzündungen, Verstauchungen, Zerrungen und Abnutzungserscheinungen helfen. (Ich persönlich glaube ja nicht an die Wirkung von homöopathischen Mitteln und das obwohl ich Heilpraktikerin bin – aber zumindest bei Tieren wirken sie tatsächlich. Aber die sind auch nicht voreingenommen.)
Die Knochenentzündung in seinem Oberarm ist leider chronisch. Auf dem Foto sieht man die Deformation/Schwellung. Aber schon nach ein paar Tagen fing er wieder an, das Beinchen beim Laufen zu belasten und bei seinem Umzug ins Außengehege lief er sogar schon wieder ohne zu humpeln.
Was das linke Ohr anging, so hatten die Maden dort ebenfalls ganze Arbeit geleistet und eine ziemliche Wunde im Gehörgang hinterlassen. Dort bildete sich sogenanntes “wildes Fleisch” wucherndes Granulationsgewebe, das den Gehörgang verstopfte. Nur eine kleine Öffnung ist geblieben. Gerade groß genug, damit Ohrsekret abfließen kann. Aber er ist trotzdem taub auf dem Ohr. Igel sind ziemlich lärmempfindlich. (Obwohl ich das von denen, die in unserem Büro unter dem Schreibtisch stehen nach ein paar Tagen nicht mehr behaupten kann). Aber schnippe ich mit den Fingern an Gerdchens rechtem Ohr, zuckt er zusammen. Mache ich das an seinem linken Ohr, rührt er sich nicht.
Aber er hat überlebt und wird sich auch in “freier Wildbahn” wieder zurechtfinden – und das ist die Hauptsache.
Am 22.10.2025 bezog Gerd mit 502 Gramm sein Quartier im Außengehege. Jungigel kann man ab Oktober nicht mehr auswildern – schon gar nicht, wenn sie an einem fremden Ort ausgewildert werden müssen. Da das Wetter zu dem Zeitpunkt aber noch sehr gut war, bezog Gerd ein Gehege auf dem Rasen mit einem Fitness-Parkour, sodass er weiterhin seine Muskeln trainieren konnte.
Seit kurzem (Stand Januar 2026) ist er endlich im Winterschlaf. Mittlerweile wiegt er über 700 Gramm, was ein tolles Gewicht für einen Jungigel ist. Jungigel müssen das Winterschlafen auch erst lernen und auch die Temperaturen dürfen dafür nicht wärmer als max. 7 Grad Celsius sein. Kaum ein Jungigel geht vor Januar schlafen.
Im Frühling hoffe ich, dass sein Ohr und das Beinchen sich nicht verschlechtert haben. Für ihn hätte ich gerne einen besonderen Auswilderungsplatz bei Menschen, die nicht nur täglich bei füttern, sondern die ihn ggf. von Zeit zu Zeit auch mal fangen und für einen Check-up zu mir bringen können. Das Fangen ist nicht schwierig, weil er abends zum Fressen kommen wird und anhand seiner Markierung mit Nagellack wird man ihn auch immer gut von den anderen Igeln unterscheiden können.
Gerdchen ist übrigens ein total stoischer Igel. Zwar lassen die meisten schwer verletzten Igel alle Behandlungen – egal wie unangenehm oder schmerzvoll (trotz Schmerzmittel) diese sein mögen, ruhig über sich ergehen. Aber Gerd kann man nur als extrem gelassen bezeichnen. Jeder Igel hat eben auch einen anderen Charakter.
#30/25 AMORIE, Jungigel aus 2025, Aufnahmegrund: Stark untergewichtiger Jungigel mit schwerer Systemmykose und offenen Wunden mit Fliegeneier-? Befall.
Datum Aufnahme: 27.09.2025, Gewicht: 206,0 Gramm
Ich muss dazu sagen, dass an dem Abend hier die Hölle los war! Die Igelfinder gaben sich wahrlich die Klinke in die Hand. -Alles Finder von untergewichtigen Jungigel. Zum Glück handelte es sich bei den meisten Tieren um die, die wirklich nur gepäppelt – also auf Gewicht gebracht werden mussten. Und viele der Finder waren bereit, dies selbst zu übernehmen, solange ich versprach, sie telefonisch zu begleiten und die Tiere ggf. zu entwurmen. So entstand auch die Idee, Selbstpäpplern eine adäquate Ausrüstung zur Verfügung zu stellen – nebst Futter.
Eine der Selbstpäpplerinnen, die seither auch schon Igel für den Verein päppelte, war gerade gegangen, als sie 5 Minuten später erneut vor der Tür stand – mit einem Igel-Jungtier. Beim Verlassen unserer Wohngegend war er ihr quasi vors Auto gelaufen. Ich fragte mich, wie der kleine Kerl in seinem Zustand überhaupt noch hatte laufen können.
Wie immer habe ich auch bei Amorie vergessen, gleich nach seinem Eintreffen ein Foto zu machen. Die ersten beiden Fotos sind von 22.08 Uhr – um 20.55 Uhr hatte ich mit seiner Behandlung angefangen. Zum Glück war er auch der vorletzte Igel an dem Tag und ich hatte Zeit.
So etwas wie bei ihm hatte ich auch noch nicht gesehen. Beide Körperseiten waren mit Insekteneiern übersäht – allerdings sehr großen. Deshalb wähle ich auch ganz bewusst hier den Begriff Insekteneier und nicht Fliegeneier. Unter seinem Hals am Kinn klebte zudem ein riesiges totes Insekt – ähnlich einer Hornisse. Da die “Eier” sehr groß waren, konnte ich sie relativ gut absammeln. Darunter war die Haut allerdings ganz wund und im Gesicht hatte er viel Schorf.(Fliegeneier sehen aus wie längliche weiße Stäbchen. Auch diese “Eier” waren länglich und weiß aber mindesten 3x so groß wie herkömmliche Fliegeneier.)
Mein Bauch sagte mir, dass ich hier einen extrem untergewichtigen Jungigel mit starker Systemmykose vor mir hatte und dass dieses komische Insekt seinen Zustand ausgenutzt hatte, um auch noch seine Eier auf ihm abzulegen, bevor es unter seinen Kinn krepierte! (Dazu sei angemerkt, dass Amorie auf Grund seines Zahnstatus und der Ausbildung seiner Stacheln ca. 6 Wochen alt war und mindestens 350 Gramm hätte wiegen müssen.)
Das Gelbe auf dem dritten Foto ist Rivanolsalbe. Für den Fall, dass ich nicht alle dieser komischen “Eier” hatte entfernen können, wusste ich, das Rivanol sie a.j.F. töten würde. Um die Systemmykose zu behandeln, hätte ich ihn baden müssen und damit wollte ich wenigstens bis zum nächsten Morgen warten, da er sehr ausgekühlt und halb verhungert war.

Um 22.12 Uhr an jenem Abend notierte ich ins Pflegeprotokoll jedenfalls Folgendes: Der kleine Mann frisst ausgiebig. Kot OK.
…Wenn die Tiere fressen, ist das die halbe Miete. Der Kleine sah so schrecklich aus, dass ich ihm den schönsten Namen gab, den ich bedenken konnte.
Amorie und ich sind Seelenverwandte, so wie Endeavour und ich. Und da Amorie auch hier im Viertel gefunden wurde, werde ich ihn 2026 auch bei uns auswildern.
Am nächsten Morgen badete ich ihn 10 Minuten in Imaverol, einem Pilzmittel. Das warme Wasser genoss er sichtlich. Natürlich bekam er auch weiterhin Antibiotikum und zusätzlich spritze ich ihm auch alle 48 Std. 0.5 ml Vitamin-B-Komplex.
Des weiteren bekam er nach 10 Tagen die 2. Spritze mit Dectomax gegen die Milben von mir. Bei Milbenbefall – egal welche Art von Milben muss Dectomax immer zweimal innerhalb von 48 Stunden verabreicht werden. Alternativ kann man die Tiere ca. zwei bis drei Wochen lang auch alle 3-4 Tage in Sebacil baden. Aber Sebacil stinkt entsetzlich und darf auch nur bei geöffnetem Fenster verwendet werden. Im Gegensatz zu Imaverol, dem Pilzmittel. (Ich habe das mal gegoogelt und folgendes gefunden: Sebacil (Dichlorvos-haltiges Mittel) darf nur bei gut geöffneten Fenstern angewendet werden, weil es ein hochwirksames Nervengift (Insektizid/Akarizid) ist, das Dämpfe abgibt, die auch für Menschen und andere warmblütige Tiere schädlich sind, und eine gute Belüftung sicherstellt, dass diese giftigen Dämpfe verdünnt und abtransportiert werden, um Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Krämpfe, Kopfschmerzen und Herzprobleme zu vermeiden.
Ich kann zwar das Fenster öffnen, um die Dämpfe selbst nicht direkt einzuatmen oder trage einen Mundschutz – aber das schützt ja meinen kleinen Patienten in seiner Schüssel mit Badewasser und Sebacil nicht. Deshalb verwende ich das Mittel auch nur im absoluten Notfall und geben den Tieren lieber Dectomax – zumal die Wirkung unmittelbar eintritt und keine Langzeittherapie nötig ist. Einzig und allein muss ich darauf achten, dass ein Tier nach der Gabe von Dectomax in den nächsten 30 Tagen nicht in den Winterschlaf geht, denn so lange benötigt sein Organismus, um es wieder abzubauen. (Ich erkläre hier auch deshalb so ausführlich meine Behandlung, weil diese Berichte ja auch anderen Päpplern weiterhelfen sollen und Dectomax nun mal – zu Unrecht – bei vielen Päpplern als absolute No-Go-Medizin verschrien ist.
Das hier links ist Amorie am 03.10.2025, 6 Tage später mit 272 Gramm. Er hat komplett alle Haar am ganzen Körper verloren.
Bis zum 09.10 2025 bekam er alle 48 Stunden Duphamox/Antibiotikum s.c., insges. 7 Spritzen. Und bis zum 17.10 2025 habe ich ihn jeden vierten Tag in Imaverol gebadet. Einen Tag später habe ich ihn dann immer mit flüssigem Kokosöl am ganzen Körper eingerieben. Mittlerweile hatte ich auch das Ergebnis seiner Kotuntersuchung. Amorie war absolut Innenparasiten frei. Etwas, das an sich schon ein Wunder war und ich fragte mich, wie/wo er sich bloß so eine starke Systemmykose hatte einfangen können. Aber möglich, dass er sich schon gleich bei seiner Mutter angesteckt hatte.
Amorie am 07.10.2025 mit 312 Gramm.
Amorie am 14.10.2025 mit 426 Gramm.
Amorie am 16.10.2025 mit 449 Gramm Gewicht.
Unter seinem Bauch wachsen neue Haare und auch im Gesicht ist der meiste Schorf verschwunden. Trotzdem war ich nicht 100% zufrieden mit seinem Hautbild. Ich erkläre das auch auf der Seite “Tipps für Selbstpäppler”. Die allermeisten Pilzarten sind mit Imaverol gut zu behandeln. Imaverol ist ein Fungizid oder Antimykotikum, das gegen die gängigsten Hautpilz-Erreger hilft. Pilzerkrankungen sind immer langwierig – aber nach 4 Wochen überstanden. Bei Amorie war es jedoch so, dass eine Haut auf den Pfoten und unter dem Kinn viel zu gerötet war. Nun hätte man denken können, das käme vom vielen Baden usw. Ich glaube, das ist jetzt wirklich Erfahrung, denn gerötete Haut, gerade auf den Pfoten ist oftmals ein Indiz für einen Hefepilz und gegen den hilft Imaverol leider nicht. Amorie hatte nicht nur einen Pilz, den wir mit Imaverol zerstörten, sondern obendrein hatte er auch noch einen Befall mit einem Hefepilz. Da die aber seltener sind, fängt man die Behandlung immer mit Imaverol an.
Hefepilze behandelt man mit Nystatincreme (z.B. Nystatin acis Creme) und Nystatin Suspension (Nystatin mikronisiert 0,025g und Glycerol 85% = 49,975g. Das muss man sich in der Apotheke zubereiten lassen.) Ab dem 26.10.2025 behandelte ich auch Amorie damit. Die Nystatincreme verwendet man überall dort, wo der Igel Fell hat und die Suspension ist zum Beträufeln der Haut zwischen den Stacheln. Allerdings reicht es, wenn man das alle 2-3 Tage tut.
Amorie am 23.10.2025 mit stolzen 530 Gramm Gewicht.
Nach weiteren 3 Wochen Behandlung mit Nystatin konnte Amorie am 06.11.2025 mit 791 Gramm in sein Winterquartier, ein Gehege mit Schlafhaus im Garten umziehen.
Da er in den ersten Wochen auch noch nicht wirklich schlafen wollte holte ich ihn jede Woche einmal rein, um seine Haut zu kontrollieren.
Mittlerweile steht auch sein Gehege im Hof und Amorie schläft. Stand: 15.01.2026
#42/25 MATILDA, Jungigel aus 2025
Datum Aufnahme: 07.10.2025, Gewicht: 203,2 Gramm
Matilda ist das typische Beispiel für einen untergewichtigen, aber ansonsten unverletzten Jungigel. Ein Igel von nur 200 Gramm hat im Oktober Null Überlebenschance. Aber wie so oft nahm Matilda erst mal nicht zu, sondern ab. Einen Tag später wog sie nur noch 182 Gramm. Bei mir schrillen dann immer gleich alle Alarmglocken. Nimmt ein Igel 3 Tage hintereinander ab, stimmt definitiv etwas nicht mit ihm. Deshalb sind alle Selbstpäppler, die ich betreue, auch verpflichtet, mir jeden Morgen das Gewicht ihres Igels/ihrer Igel mitzuteilen. Außerdem behalte ich gerade bei Jungigeln auch immer im Auge, was sie bei ihrem Auffinden wogen. Manche Tiere nehmen zwar zu, aber nicht genug. Fünf bis sechs Gramm sollte das Minimum sein, dass ein Jungigel bis 600 Gramm pro Tag zunimmt. Man muss allerdings auch beachten, dass man einen unterernährten Igel nicht gleich überfüttert. Deshalb gibt man ihm zuerst nur 1 EL Futter und wenn er das verputz hat, wartet man ein paar Stunden bevor man ihm wieder 1 EL anbietet. Dann 2 EL usw. Ab dem 2. Tag hat sich sein Magen-Darm-Trakt wieder an die regelmäßige Nahrungsaufnahme gewöhnt und man kann ihm ganz normal ein Schälchen mit Futter hinstellen, das genau wie Wasser immer für ihn erreichbar sein muss.
Da ich bei Matilda aufgrund ihres Zahnstatus aber ausschließen konnte, dass es sich bei ihr noch um ein “echtes” Igelbaby handelt, habe ich angefangen, ihr jeden Morgen und jeden Abend 0.1 ml Cotrim-E zu geben. Das ist ein oral zu verabreichendes Antibiotikum aus der Humanmedizin, das u.a. ganz gut bei Infektionen im Magen und Darm Bereich wirkt. (Wäre sie ein “echtes” Igelbaby gewesen, hätte sie Katzenaufzuchtsmilch bekommen müssen, weil sie dann noch keine feste Nahrung vertragen hätte.) Leider fressen die kleinen Kerlchen draußen alles, was irgendwie für sie essbar erscheint, wenn der Hunger sehr groß wird. Nicht selten finde ich in den ersten Tagen in der Päppelbox deshalb auch Kot mit kl. Steinen oder jeder Menge Dreck. Das reizt natürlich den Darm – deshalb das Cotrim.
Am 15.10.2025 wog Matilda dann auch schon 245,9 Gramm. Doch ab da ging es mit dem Gewicht wieder kontinuierlich abwärts. Die Kotuntersuchung hatte mittlerweile ergeben, dass sie Innenparasiten frei war. Da solche Untersuchungen aber immer nur bis zu einem gewissen Grad wirklich aussagekräftig sind, schickte ich noch mal eine zweite Probe zu einer Bekannten, aber auch diese Untersuchung blieb OB.
Also fing ich am 17.10.2025 an und fütterte sie tagsüber mit der Spritze, nachts sollte sie selbst fressen. Das Füttern über Tag, alle 3 Stunden ca. 10 ml – mehr wollte sie nicht, war aber nicht ausreichend, damit Matilda zunahm und nachts fraß sie selbst gar nicht mehr. Das ist ein Phänomen, welches ich immer wieder bei Jungigeln beobachte: Ca. 30% frisst in den ersten Tagen gut und dann plötzlich hören sie auf. Auch die Gabe von Antibiotika ändern daran nichts. In den meisten Fällen ist dieses Verhalten zudem unabhängig von einem Befall mit Innenparasiten. (Z.B. wirkt Levamisol, ein Mittel gegen LW, normalerweise appetitanregend. “Normalerweise” deshalb, weil es bei einen Jungigel, der plötzlich sein Futter verweigert, der aber mit Levamisol gegen LW behandelt wird, keinen Unterschied macht. Er frisst einfach nicht mehr. In gr. Igelstation, wenn nicht genug Personal vorhanden ist, sterben diese Tiere.
Bis 2025 habe ich dann immer angefangen, diese Tiere auch alle 4 Std. nachts zu füttern. 2024 habe ich so die Tiere retten können – auch wenn sie mit nur ca. 500 Gramm erst Ende Dezember in den Winterschlaf gingen und ich danach völlig platt war. Im Jahr davor habe ich Ende Dezember noch ein Igelchen einschläfern lassen müssen. Sie wog nur noch 150 Gramm und wollte einfach nicht mehr. Was die Ursache für diesen plötzlichen “Hungerstreik” ist, weiß ich nicht.
Irgendwo habe ich aber im Herbst 2025 gelesen, dass man solchen Tieren eine winzige Menge Cortison spritzen soll. Cortison ist natürlich nicht ganz ungefährlich, zumal es das Wachstum hemmen kann. Aber meine Tierärztin war einverstanden und zum Zeitpunkt, als Matilda anfing, ihr Futter zu verweigern, hatten wir so schon mehrere Igelchen retten können.
Der Trick ist, dass man die Tiere nach der ersten Spritze Cortison trotzdem noch weiter bei füttern muss. Alle 3 Stunden tagsüber und ggf. alle 4 Stunden nachts. Nachts fressen einige gleich nach der ersten Spritze wieder selbstständig – aber manchmal auch nicht genug! Jedes Tier reagiert anders, aber alle fressen wieder, auf die eine oder andere Art! Nach 4 Tagen bekommen die Tiere erneut 0,01 ml Cortison (Hexadreson) und ab da fressen sie, was das Zeug hält und man kann das Zufüttern langsam abbauen. Zusätzlich bekommen alle Futterverweigerer von mir alle 48 Std. Vitamin-B-Komplex s.c.
Matilda war allerdings nicht der einzige Jungigel 2025, mit Problemen beim Fressen und zeitweise hatte ich 5 Tiere, die ich regelmäßig füttern musste. Aber ich hatte bis dahin natürlich auch noch nie so viele Tiere gleichzeitig!
Nachts hat mich mein Mann beim Füttern dann schon mal vertreten. Fünf Tiere füttern dauert ca. 1 Stunden. D.h. ich musste um die drei Stunden aufstehen und das ist mir echt schwergefallen. Matilda und ich haben dann angefangen, beim Füttern zu singen: Matilda, Matilda, Matilda, she take me money and run Venezuela. Once again now! Matilda, Matilda, Matilda, she take me money and run Venezuela. Weiter kenne ich den Text nicht, aber Matilda versprach zu fressen, wenn ich nur aufhöre zu singen. (Ich habe das dann auf die anderen Futterverweigerer ausgeweitet und so rannte Andrea nach Argentina, Smilla nach Suráfrica usw.)
Matilda ist zudem eine ganz Aufgeweckte! Die blaue Schüssel, in der sie da hockt, verwende ich jeden Morgen zum Wiegen der Tiere. Dann schreibe ich das Gewicht und die Uhrzeit auf und bereite ggf. alles für den Check-up des Tieres vor oder in ihrem Falle auch die Spritze mit Vitamin B.
Matilda lugte dabei immer über den Rand der Schüssel und beobachtet ganz aufmerksam mein Treiben. Tiere, die länger bei uns sind, lernen auch Kommandos wie BLEIB oder SITZ und natürlich kennen die allermeisten ihren Namen. Darin unterscheiden sich Igel (oder Wildtiere) nicht von Hunden und Katzen.
Am 20.11.2025 bezog sie dann mit 593 Gramm ihr Schlafhaus in einem der Außengehege. Für 2026 suchen wir allerdings auch für sie noch einen Auswilderungsplatz, da auch ihre Finder sie nicht zurück wollen.
#52/25 ANTON, Altigel, Aufnahmegrund: schwerste Verletzungen am Kopf/Gesicht und rechter Hinterpfote durch Mähroboter
Datum Aufnahme: 23.10.2025, Gewicht: 879 Gramm
Anton hatte, wie so viele Igel mit Verletzungen durch Mähroboter, diese hauptsächlich im Gesicht und an den Pfoten erlitten. Er hatte bspw. einen ca. 5 mm tiefen und 2 cm langen Schnitt am rechten Ohr. Der rechte hintere Mittelzeh war ihm kompl. abgeschnitten worden. Doch obwohl es auf dem Foto nicht danach aussieht, waren beide Augen intakt. Außerdem hatte er einen sehr massiven Befall mit Flöhen und Zecken und war sehr dehydriert.
Als erstes werden alle Tiere gewogen, damit ich v.a.D. auch Schmerzmittel und Antibiotika dosieren kann. Danach wird das Tier mit Permethrin Biomo gegen die Flöhe eingesprüht und in ein Handtuch gewickelt. In der Zeit, wo die Flöhe sterben, kann auch das Schmerzmittel wirken. Erst danach fange ich mit der Wundversorgung an. Dazu muss ich als erstes den kompl. Igel säubern, um wirklich alle Wunden gut sehen zu können und ggf. alle Maden/Fliegeneier zu finden/zu entfernen. Oft geht das am besten, wenn ich das Tier – trotz seines Zustandes – bade! Ich muss nämlich auch alle Krusten und getrocknetes Blut entfernen.
Auf dem zweiten Foto sieht man Antons Wunden im Gesicht nach dem Reinigen, aber vor dem Verarzten mit Salbe.
Wunden reinige ich mit NaCl (Natriumchlorid, genau genommen ist das aber bloß Kochsalzlösung). Danach behandle ich mit Salbe: antibiotische Salbe für den Anfang, oft auch spez. antibiotische Salbe für die Augen. Später nehme ich gerne antiseptische Creme von Bepanthen und ganz zum Schluss, wenn alles fast verheilt ist und nur noch ein paar Krusten abfallen müssen, verwende ich Manuka Creme oder Manuka Spray.
Weil Anton so dehydriert war, bekam er auch 2 ml mit Jecuplex, 2 ml Sterofundin und 1 ml Vit-B-Komplex zusammen s.c. Dabei spritze ich je die Hälfte in eine Pobacke.
Am 23.10. um 22.00 Uhr notierte ich in sein Pflegeprotokoll: Beide Augen sind auf. Nur leider wollte er nicht fressen. Wenn ein Igel so schwere Gesichtsverletzungen erlitten hat, biete ich ihnen immer Katzennassfutter (Schonkost) an. Dann brauchen Sie auch nicht kauen.
Wie die meisten Igel bekam auch er an der rechten Seite ein Abszess. Oder besser gesagt, in seinem Fall war die Infektion schon da, es dauerte nur 2 Tage, bis ich sie auch sehen konnte. Am 25.10.25, Gewicht 874 Gramm schrieb ich in sein Protokoll, das er ein riesiges Abszess hat. Die ganze rechte Gesichtshälfte/Hals war enorm dick. Am Abend zuvor, als ich ihm sein Schmerzmittel gab und die WVS machte, war davon noch nichts zu sehen gewesen. Das Gesicht war über Nacht so dermaßen angeschwollen. So ein dickes Abszess hatte ich auch noch nie gesehen/behandelt.
Aber das riesige Abszess war nicht Antons Problem – trotz leichten Wundbrand. Foto vom 31.10.2025, Gewicht 836 Gramm. Was mich mehr beunruhigte, dass Anton nicht fressen wollte. Er nahm kontinuierlich ab. Auch leicht angebratenen Tatar, Rührei oder Mehlwürmer wollte er nicht.
Als seine Wunden allmählich heilten, besah ich mir auch seine Zähne genauer. Ich hatte schon vermutet, dass Anton ein sehr alter Igel war. Wobei “sehr alt” für einen Igel selten mehr als 4 Jahre bedeutete. Die allermeisten überleben keine zwei Jahre. Jedenfalls hatte er wahnsinnig dreckige und abgenutzte Zähne, die ich ihm so weit es ging säuberte. Auf dem Foto habe ich die vorderen Zähnchen schon gemacht. Das auf seiner Nase ist übrigens Salbe.
Beim Säubern der Zähne stellte ich zudem fest, dass ein (Igel)Stachel quer in seinem Gaumen steckte. Ich entfernte den Stachel und hoffte, dies sei der Grund gewesen, warum er kaum fraß.
Die Kotuntersuchung hatte zudem ergeben, dass er lediglich einen * Befall mit DHW hatte, die ich mit Levamisol behandelte. Prophylaktisch wurde er auch mit VedBancid s.c. gegen DSW behandelt. Aber auch das trug nicht dazu bei, dass Anton genug fraß. Im Gegenteil, er wurde von Tag zu Tag weniger.
Die einzigen 2 Tage, wo er einigermaßen fraß und tatsächlich wieder etwas zunahm, war, als Lily bei uns war. Ich muss dazu sagen, weil Anton ein schwer verletzter Igel war und viel Ruhe benötigte, stand er bei uns im OG im Flur. Dann hatte ich Lily, eine ebenfalls schon ältere Igeldame 2 Tage zum Entwurmen hier und weil unten alles knüppelvoll stand, brachte ich ihre Box auch nach oben. Man sagt ja, dass Igel sich zum Fressen animieren. Fakt ist, wenn mein Mann und ich im Büro sitzen und Chips essen, kommen immer gleich ein oder zwei Igel in ihren Boxen unter ihren Handtüchern hervor und fangen ebenfalls an zu fressen. Und abends, sobald der erste Igel anfängt, seine Katzentrockenfutter-Croquetten zu zerbeißen und dabei laut schmatzt, fangen im Nu auch die anderen Igelchen an zu fressen.
So war das auch bei Anton. Durch Lily fühlte er sich animiert und nahm tatsächlich etwas zu. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass er roch, dass da ein Weibchen war und er ihr imponieren wollte. Normalerweise lag er nämlich immer in seiner Stoff-Garage. Seit Lily da war, schlief er zwischen Futter- und Wassernapf, weil er von da aus durch seine Box in ihre schauen konnte. Weil er mit seinen Gesichtsverletzungen kein Handtuch hochschubsen konnte, um darunter zu kriechen, bekam er von mir eine sogenannte Schnarchgarage für Igel. Normalerweise nimmt man die hauptsächlich für Igelbabys, aber ich habe welche, die sind so groß, das auch ein ausgewachsenes Tier hineinpasst.
Jedenfalls, seine Wunden heilten gut. Auch der Hinterfuß, wo ein Zeh fehlte, fing an zu heilen. Nur fressen wollte Anton nicht. Schließlich fing ich an, ihn wie ein Baby zu füttern. Aber auch das half nicht wirklich, weil er immer nur ein paar Milliliter nahm.
Mein Bauch sagte mir bei Anton, dass er lieber gestorben wäre. Aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes, der nicht auf die Verletzung durch den Mähroboter zurückzuführen war, wusste ich, dass er kein einfaches Leben gehabt hatte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er sich schon seinem Schicksal ergeben hatte, als er gefunden und zu mir gebracht wurde. Anton wollte nicht mehr leben und dann kam ich und flickte ihn wieder zusammen – gegen seinen Willen.
Hätte ich ihn damals zum Tierarzt gebracht, hätte jeder ihn sofort eingeschläfert. Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass Anton dies lieber gewesen wäre – aber er konnte nun mal nicht sprechen. Aber da war deutlich dieses Gefühl, dass er ausstrahlte, dass er nicht mehr wollte. Die Frage ist, bin ich verpflichtet, jedes Tier zu retten? Auch so einen alten Igel mit schlechten Zähnen und schlechten Allgemeinzustand? Wäre es besser, sie einschläfern zu lassen, statt sie all den Schmerzen auszusetzen, bis sie wieder vermeidlich fit sind? Ethisches Dilemma!
Am 12.11.2025, Gewicht 760 Gramm, war Anton jedenfalls wieder so weit genesen. Nur wirklich fressen wollte er nicht. Ich merke auch, dass er apathischer wurde und führte das darauf zurück, dass sein Organismus ihm sagte, er war überfällig für den Winterschlaf. Da er aber noch eine kleine Kruste auf der Nase und am Fuß hatte, die noch abfallen mussten, bekam er eine Heizmatte, die ihn daran hinderte, in den Winterschlaf zu gehen. Die Heizmatte hat er auch sehr genossen, wie auf dem Foto nur unschwer zu erkennen ist. Platt wie eine Flunder liegt er lang ausgestreckt darauf.
Am 16.11.2025 bezog er schließlich mit nur noch 711 Gramm ein Schlafhaus in einem Außengehege. Bloß drei Wochen nachdem er gefunden wurde, war das Abszess vollkommen geschlossen, der Zeh am Hinterfuß und die Wunden im Gesicht alle verheilt. Zwar fehlte noch der Haarwuchs, aber bei vielen Igeln wachsen nach so schweren Verletzungen im Gesicht auch keine Haare mehr nach. Zu dem Zeitpunkt hoffte ich, dass seine Appetitlosigkeit schlicht und ergreifend darauf zurückzuführen waren, dass er zu einem Zeitpunkt gefunden wurde, wo gerade die älteren Igelmännchen oft schon im Winterschlaf sind. Und mit 711 Gramm hatte er dafür immer noch genug Gewicht.
Leider ist er nicht wie erhofft gleich eingeschlafen, sondern war fast jede Nacht wach. Mein Mann, der minutiös die Igel in ihren Winterschlafquartieren versorgt und überwacht, holte Anton am 04.12.2025 mit nur noch 542 Gramm Gewicht wieder ins Haus. Weil es sich sehr kalt anfühlte und sehr dehydriert war, bekam er wieder Flüssigkeit gespritzt und eine Heizmatte.
Als vorletzte Maßnahme bekam er auch ein klein wenig Cortison von mir, weil das auch bei allen Igeljungen so gut geholfen hatte. Anton fing tatsächlich kaum eine Stunde später an zu fressen und verputzte für seine Verhältnisse viel – ohne dass er sich gleich hätte überfressen können. Er fraß zwei Tage, nahm aber trotzdem weiter ab. Sein Kot war in all der Zeit nie wirklich auffällig gewesen, jetzt war er dünn und roch auch sehr übel.
Nach der langen Behandlung mit Antibiotika bekam er natürlich auch BeneBac zum Aufbau der Darmflora – obwohl sein Kot immer unauffällig gewesen war. Jetzt überlegte ich, ob er vielleicht nicht doch etwas am Darm haben könnte. -Aber das Antibiotikum, welches er wegen seiner Verletzungen bekommen hatte, half auch bei Darmentzündungen. Ich versuchte es mit einem anderen Antibiotikum, aber auch das brachte keine Verbesserung. Nach zwei Tagen hörte er ganz auf zu fressen und lag nur noch in seinem Handtuch auf der Heizdecke und schlief.
Mein Mann und ich hatten uns für den Nachmittag des 08.12.2025 vorgenommen, mit ihm zu unserer Tierärztin zu fahren, damit sie ihn einschläfert. Doch kurz bevor wir losfahren wollte, war er von selbst gegangen.
Weil Anton ein so besonders lieber und duldsamer Igel gewesen war, fertigte mein Mann für ihn ein Kreuzchen an und wir haben ihn bei uns im Garten zwischen den Blumen begraben – stellvertretend für alle Igel, die es nicht schaffen.
(Normalerweise muss ich tote Tiere zum Entsorgen zu meiner Tierärztin bringen.)
#58/25 BELINDA, Jungigel aus 2025, Aufnahmegrund: Hundebiss
Datum Aufnahme: 07.11.2025, Gewicht: 549 Gramm
Vom Gewicht her hätte Belinda theoretisch eine Chance gehabt, selbst über den Winter zu kommen, ohne zu verhungern – wäre sie nicht von einem großen Hund gebissen worden. Anhand der tiefen Löcher in ihrer Haut, deren Durchmesser und Form musste es jedenfalls ein großer Hund gewesen sein. Das Fatale: auf den ersten Blick sah man die Wunden kaum, nur das viele Blut im Fell und zwischen den Stacheln.
Das erste Foto hier ist schon vom 11.11.2025, da wog Belinda nur noch 537 Gramm. Noch fataler war, dass mein Antibiotikum Trymox oder Duphamox (beides dasselbe, nur anderer Hersteller, Wirkstoff Amoxicillin) nicht wirkte. Durch die Bakterien, die an den Zähnen des Hundes waren, hatte sich eine sehr schlimme Infektion gebildet. Die Haut mit den Stacheln löste sich von dem darunterliegenden Gewebe und eiterte – was man deutlich riechen konnte. Es roch nach Verwesung.
Doch als erstes musste ich auch Belinda nach ihrem Eintreffen baden. Und zwar in Rivanol. Erstens um all das Blut zu entfernen und zweitens wirkt Rivanol antiseptisch. Als mir nach vier Tagen dann dämmerte, dass mein Antibiotikum wahrscheinlich nicht wirkte, fuhr ich mit ihr zu meiner Tierärztin nach Emden.
Diese entfernte das nekrotische Gewebe auf ihrem Rücken. (Ich hatte mich das selbst nicht getraut. Jetzt habe ich wieder etwas dazu gelernt.) Außerdem gab sie ein Antibiogramm in Auftrag. Leider dauert so was! Ab dem 22.11.2025 bekam Belinda Baytril – ebenfalls ein Breitbandantibiotikum (Wirkstoff Enrofloxacin). Baytril hat allerdings einen Nachteil, es kann bei Jungigeln das Wachstum hemmen. In den ersten Tagen hob sich die Wirkung auch teilweise auf, weil sie bis dato Trymox bekam.
Ich gebe zu, dass es um Belinda sehr lange sehr kritisch aussah. Ihre Wunde musste zu Beginn zweimal täglich mit Vetericyn oder Lavanid gereinigt werden. An einer Stelle war die Verletzung so tief, dass ein Stück Knochen von der Wirbelsäule herausragte. Jeden Tag kratze ich mit einem sogenannten scharfen Löffel den Eiter ab. Belinda bekam also nicht nur die Höchstdosis Antibiotikum, sondern auch zweimal täglich die Höchstdosis an Schmerzmittel.
Der “Wundfraß” an den Wundrändern dufte sich auf keinen Fall weiter ausbreiten. Nach der OP wog sie nur noch 506 Gramm und ich dachte an Anton, der auch nicht fressen wollte.
Am 25.11.2025 erreichten wir den absoluten Tiefpunkt. Belinda wog nur noch 499 Gramm und morgens bei der WVS hatte ich zum zweiten Mal festgestellt, dass sich an den Wundrändern die Haut löste. Die Infektion breitete sich also weiter aus. Zum Glück darf ich ein leichtes Mittel zum Sedieren anwenden (Dexdormitor und Antisedan). Mein Sachkundenachweis nach §11 des TschG erlaubt mir das. Ich entfernte also das nekrotische Gewebe, so wie es mir meine Tierärztin gezeigt hatte. Aber ich wusste auch, sollte sich die Infektion nur noch ein kleines Stück Richtung Lungen ausbreiten, würden wir sie einschläfern lassen müssen. Außerdem fraß Belinda nicht genug. Weil sie so viel Antibiotika bekam, hatte ich ihr extra Magen- und darmschonendes Katzennassfutter gekauft.
Ich erklärte meinem Mann, sollte sich der Wundfraß noch weiter ausbreiten, müssten wir sie einschläfern lassen. Abends wickelte er Belinda daraufhin in ein Handtuch und legte sie eine Stunde lang auf seine Brust. Mittlerweile hatte ich das Schmerzmittel etwas reduzieren müssen, weil auch zu viel Schmerzmittel über einen so langen Zeitraum ungesund ist, obwohl ich wusste, dass sie große Schmerzen hatte.
Doch am nächsten Morgen hatte Belinda sage und schreibe 17 Gramm zugenommen. Das Foto hier links ist vom 27.11.2025, da wog sie schon wieder 545 Gramm. Am unteren linken Wundrand kann man erkennen, wo ich am 25.11.2025 noch mal nekrotisches Gewebe weggeschnitten hatte. Mein Mann nahm sie nun jeden Abend eine Stunde in ein Handtuch gewickelt und legte sie beim Fernsehen auf seine Brust. Sie machte sich dann immer ganz lang und streckte alle Viere von sich. Ich weiß nicht, ob es nun hauptsächlich daran lag, dass das neue Antibiotikum endlich wirkte oder daran, dass mein Mann sie nun jeden Abend eine Stunde hielt. Jedenfalls ab da verbesserte sich ihr Zustand zusehens. Igel verhalten sich oft wie Katzen. Wenn sie sich äußerst wohl fühlen, krallen sie sich mit ihren Nägeln in den Untergrund. Das tat auch Belinda. Einziger Unterschied: sie schnurrte nicht.
Das Weiße an den Wundrändern ist übrigens Nekrolytsalbe und das gelartige auf dem Rest der Wunde ist ProntoSan Gel. Ich hatte lange überlegt, womit ich diese tiefe Wunde behandeln sollte. Mir kam es vor wie eine Brandverletzung: schon alleine wenn Luft an eine solche Wunde kommt, muss es wahnsinnig schmerzen. ProntoSan hat den Vorteil, dass es die Gewebebildung anregt, die Haut vor dem Austrocknen bewahrt und gleichzeitig einen Film darüber legt, wodurch diese auf Luft oder Umwelteinflüsse nicht so schmerzempfindlich reagiert.
Zuerst wurde die Wunde jedoch immer gründlich mit Vetericyn gereinigt und nekrotisches Gewebe auf der Wunde musste ich ebenfalls noch sehr lange entfernen/abkratzen. Alle Stacheln an den Wundrändern reinigte ich ebenfalls alle paar Tage mit warmem Wasser, da sie durch Wundsekret sonst extrem verklebten.
Ein anderes Problem war, das Belinda Angst vor mir hatte. Ich merkte deutlich, wie sie zitterte, wenn ich sie morgens zum Wiegen und Behandeln mitnahm. Trotzdem hätte sie nie versucht, mich zu beißen. Aber in mir sah Belinda nur die Person, die ihr Schmerzen zufügte. Dann wurde mir bewusst, dass auch ich nicht Belinda sah, sondern nur ihre riesige Wunde. Alle Igel nehme ich morgens mit in den Keller, wo mein Behandlungsraum ist. Als erstes werden sie gewogen und dann setze ich sie auf ein Handtuch, sehe mir die Augen an, die Haut usw. Dabei schäkere ich ein bisschen mit ihnen herum. Ich rede mit allen Tieren, kraule sie und streichele ihnen über die Stacheln. Kein Igel hat Angst von mir. Sie sind alle zutraulich und zahm. (Das ändert aber nichts daran, dass sie, wieder in Freiheit, sich sofort integrieren.)
Jedenfalls mit Belinda war das anders. Zu Anfang hatte ich keine Bindung mit ihr – nur mit der abartig großen Wunde, die ich unbedingt heilen wollte. Als mir das bewusst wurde, änderte ich mein Vorgehen. Ich wog Belinda, setzte sie danach aber zuerst auf den Behandlungstisch und schäkerte ein Weilchen mit ihr. Ich kraulte sie auf dem Nasenrücken – das mögen alle Igel. Dadurch konnte sie mich auch ansehen. Beim Behandeln der Wunde war ihr Gesicht nämlich immer von mir abgewendet. Ich schaute quasi immer von hinten auf sie drauf – so wie ich auch die Fotos machte. Und genauso trug ich sie auch. Das hing hauptsächlich damit zusammen, dass Belinda sich sehr lange Zeit gar nicht aufrollen wollte/konnte. Und damit ich nicht mehr vergaß, dass auch Belinda aus mehr bestand als dieser Wunde, klebte ich mir auf ihr Pflegeprotokoll eine Post-it Notiz: “Belinda in die Augen schauen!” Danach konnten auch Belinda und ich eine Bindung aufbauen, die nicht nur aus Angst ihrerseits und aus WVS meinerseits bestand. Gegen die Zeit, wo wir anfingen, Belinda Scherzes halber “Frau Ferkel” zu nennen, war sie mir ggü. genauso neugierig und zutraulich wie alle anderen Igelchen auch.
Meine größte Befürchtung war nun, dass auf dieser riesigen Wunde nie wieder Stacheln wachsen könnten. In dem Falle hätten wir Belinda nie wieder auswildern können. Mit einer so großen kahle Stelle auf dem Rücken hätte sie keine Überlebenschance gehabt. Sie hätte sich immer wieder zu leicht dort verletzen können. Gerade im Sommer bedeutet die kleinste Verletzung oft, dass sofort eine Fliege ihre Eier darauf ablegte. Dann hätten wir einen großen und komplett eingezäunten Garten mit vielen Büschen für sie finden müssen und sehr gewissenhaften Menschen, die sich gut um sie kümmern würden. Mit gut eingezäunt meine ich zudem einen Garten, der wirklich ausbruchsicher ist und wo sie sich auch nicht unter einem Zaun hätte ausbuddeln können. Am besten ein Grundstück, das ringsum von einer Mauer umgeben wäre – fast unmöglich zu finden!
Zum Glück bestätigte sich diese Befürchtung nicht. Wie man auf dem nächsten Foto vom 21.12.2025 sehen kann, wachsen Belinda wieder neue Stacheln. Außerdem hat sie da schon ein stolzes Gewicht von 748 Gramm.
Das nächste Foto ist vom 09.01.2026. Belinda wiegt 812 Gramm. Mittlerweile ist sie richtig fit und macht nachts auch entsprechend Randale, weil sie aus ihrer Box raus will. Weil sie ihre Box nachts so zerwühlt, Wasser- und Futternapf umwirft und es darin morgens wie nach einem Wirbelsturm aussieht, nennen wir sie Scherzes halber Frau Ferkel!
Hier auf dem Foto sitzt sie nachts in ihrem Wassernapf fest und kommt nicht raus. Zum Glück hat mein Mann es bemerkt. Auf dem Foto ebenfalls schön zu erkennen wie sie alles zerwühlt.
Heute, der 18.01.2026, der Tag, an dem ich dies schreibe, ist Belinda wieder gesund! Morgen darf sie endlich in ein Schlafhaus in einem der Gehege bei uns im Hof und auf der Terrasse umziehen. Wir hoffen, dass sie ganz schnell in den Winterschlaf geht. Kalt genug dafür ist es ja.
Bleibt nur noch der widerliche Mensch zu erwähnen, der Belinda seinerzeit hierher brachte. In seiner Email schrieb er, er hätte vor 2 Tagen einen Igel gefunden, der von einem Hund gebissen worden wäre. Er hätte das Tier mit nach Hause genommen und abgewaschen, da es voller Blut gewesen sei und dann in seiner Garage untergebracht. Dann habe er im Internet nachgeschaut, wie man Igel pflegt und sei dabei auf unsere Homepage gestoßen. Er fragte, ob ich mir das Tier mal ansehen könnte.
Abends nach der Arbeit brachte er Belinda dann vorbei. Ich erklärte, dass sie Antibiotika und Schmerzmittel benötige und ich sie hierbehalten müsse. Dann wollte ich wissen, ob sein eigener Hund den Igel so zugerichtet hätte und er antwortete, er habe keinen Hund. Wo er das Tier gefunden habe, fragte ich und er sagte, es habe auf seinem Grundstück gelegen. Sein Grundstück sei 9000 m² und er habe viele Igel, die das Fallobst der Bäume dort fressen würden.
Mein Mann erklärte ihm deshalb sogleich, dass Igel kein Obst fraßen und sich ausschließlich von Insekten ernährten. Weil es aber davon nicht mehr genügend gab, müsse man mit Katzentrockenfutter bei füttern. Woraufhin der Mann sogleich eine Futterpalette und einen Sack Futter gegen eine Spende von 45 Euro mitnahm. Wie fast alle Igelfinder hatte er aber natürlich kein Bargeld dabei, versprach aber, den Betrag gleich zu Hause via PayPal zu überweisen.
Nach einer Woche schrieb ich ihm eine Mail und erinnerte ihn daran. Er antwortete, er sei zz. knapp bei Kasse, würde dafür aber gleich zu Beginn des nächsten Monates eine großzügige Spende machen. Er habe die Palette auch schon aufgestellt und würde fleißig Igel füttern.
Natürlich passierte wieder nichts und ich erinnerte ihn erneut per Mail daran. Er schrieb zurück, dass er 20 Euro überweisen würde – sobald er Zeit habe. Ich antwortete, dass 45 Euro vereinbart gewesen waren. Mein Mann meinte, ich solle es auf sich beruhen lassen – immerhin würde er ja füttern. Ich glaubte das allerdings nicht. Auch deshalb nicht, weil mich eine Selbstpäpplerin, die ihr Igelchen zum Entwurmen her brachte und der ich Belindas Geschichte erzählte, mich fragte, woher der Typ denn gewusst habe, dass Belindas Verletzungen von einem Hundebiss stammten – zumal ihre Verletzungen ja kaum zu sehen gewesen waren. Nur das viele verklebte Blut hatte man gesehen. Außerdem hatte der Mann Belinda lt. eigener Aussage auf seinem Grundstück gefunden und welcher fremde Hund hatte da Zugang?
Kurz vor Weihnachten fuhr ich schließlich zu der Adresse, die Belindas Finder angegeben hatte. Er war zu Hause, öffnete aber nicht die Tür. Außerdem hatte er zwei Hunde, einen sehr großen und einen kleinen, die ich durch die Fensterscheibe sehen konnte. Über die Sprechanlage sagte ich ihm, dass er bis morgen Abend Zeit habe, das Futter und die Palette zurückzubringen, weil ich auch nicht eine Sekunde glauben würde, das jemand wie er Igel füttern würde!
Wieder zu Hause schickte ich ihm noch eine Email und wiederholte meine Aufforderung. Sollte er dieser nicht nachkommen, würde ich ihm – bei allem was mir heilig ist schwören, dass ich umgehend Anzeige wegen Betrug und Tierquälerei stellen würde. Immerhin hatte er auch gelogen, als er sagte, er habe keinen Hund. Mittlerweile lag wohl auf der Hand, dass sein eigener Hund Belinda so zugerichtet hatte. Und sollte der Staatsanwalt die Anzeige als Bagatelle einstellen – wovon auszugehen war – würde ich ihn privat verklagen und wenn es das Letzte war, was ich in diesem Leben tun würde! Am Abend darauf lagen plötzlich die Futterpalette und der nicht geöffnete Sack Futter vor unserer Garage. -Soviel dazu, dass er fleißig füttere. Es ging mir dabei auch nicht um die Futterplatte oder das Futter, obwohl mein Mann viel Arbeit in die Fertigung der Paletten und Schlafhäuser steckt. Es ging ums Prinzip und ich lasse mich auch nicht gerne als dumm verkaufen oder anlügen. Von seiner Prahlerei über 9000m², über die Lüge keinen Hund zu haben bis hin zu der großzügigen Spende. Und sich dann zu Hause hinter dem Vorhang verstecken und so tun, als sei man nicht da. Ich frage mich, warum er Palette und Futter überhaupt mitgenommen hatte. Ich kann das nicht beweisen, aber der große Hund, den ich bei ihm durch das Fenster sah, war extrem aggressiv. Das einzig Gute war, dass er Belinda zu uns brachte.
Anmerkung: Im Oktober brachte mir eine Frau gleich drei kleine Igelkinder. Alle um die 200 Gramm und alle mit leichten Verletzungen durch einen Hundebiss. In dem Fall war es aber so, dass der Hund die Igel wahrscheinlich ganz im Maul hatte, weil sie noch so klein waren und er sie dann ausspuckte, als er sich im Maul an den Stacheln stach. Trotzdem starben zwei der Igelchen am folgenden Tag. Möglich, dass der Hund sie im Maul auch zerquetsche und sie innere Verletzungen erlitten. Die Finderin hatte 4 Hunde von einer Tierschutzorganisation. Dies führte sie zuerst auch als Grund an, warum sie die Igel nicht bringen könne: Sie täte ja schon genug für Tiere – da könnte ich die Igel zumindest abholen kommen. Schließlich brachte sie sie aber doch. Ganz stolz erzählte sie, dass einer ihrer Hunde vor ein paar Tagen einen großen Igel getötet habe – das passiere öfter, immerhin seinen es Jagdhunde, zudem schwer traumatisiert, weil aus Rumänien. Der getötete Igel sei wahrscheinlich die Mutter dieser kleinen Igel gewesen. Am liebsten möchte ich solchen Menschen mit den Füßen zuerst ins Gesicht springen. Stattdessen fragte ich sie, ob sie selbst begreifen würde, was sie da erzählte. Ganz offensichtlich hatte sie 4 Hunde, mit denen sie überfordert war. Statt sich Hilfe zu suchen und bspw. einen erfahrenen Hundetrainer zu engagieren, die Tiere wieder abzugeben an Menschen, die mehr Ahnung von (traumatisieren) Hunden hatten oder den Tieren draußen zumindest einen Maulkorb anzuziehen, war sie ganz augenscheinlich auch noch stolz auf das krankhafte Verhalten der Hunde. Die Frau war ganz perplex, weil ich kein Verständnis zeigte. Sie auch noch darauf hinzuweisen, dass der Igel auf der Vorwarnstufe der Roten Liste steht und sein mutwilliges Töten in Kauf zu nehmen sogar strafbar ist, hätte nichts gebracht. Aber die Frau gehört zu den Personen, die ich hier 2025 des Hauses verwies. Ich hätte kotzen können!
Nur ein paar Tage darauf brachte mir eine Frau erneut einen kleinen Igel mit – zum Glück – einer nur sehr leichten Verletzung durch ihren Yorkie. Auch diese Frau hatte kein Verständnis und meinte, was mache der Igel auch in Ihrem Garten! Das sei ihr Garten und der ihres Hundes, da müsse sich das Tier nicht wundern, wenn es gebissen würde. Sie fand, ich sei unverschämt – immerhin hätte sie das Vieh ja auch einfach wegschmeißen können. Da ich Finder zu dem Zeitpunkt nur noch in absoluten Ausnahmen überhaupt ins Haus ließ und die Tiere in der Regel auf der Türschwelle in Empfang nahm, nahm ich auch diesen Igel und schlug ihr die Tür vor der Nase zu. Die Frau, die zudem ihre Tochter dabei hatte, fing an zu schreien, dass sie sich so nicht behandeln ließe, schon gar nicht vor ihrer Tochter, und ich solle gefälligst die Tür wieder öffnen, sie sei noch nicht fertig. Weil ich nicht reagierte, fing sie an Sturm zu klingen. Nachdem ich mich im Keller davon überzeugt hatte, dass das kleine Igelweibchen nur eine ganz oberflächliche und kleine Verletzung hatte, ging ich wieder nach oben, öffnete die Tür und sagte der Frau, dass wenn sie jetzt nicht sofort verschwinden würde, ich die Polizei riefe und sie es besser nicht darauf anlegen solle. Dann machte ich die Tür wieder zu und diese schreckliche Person und ihre Tochter machten endlich einen Abflug. Ich hörte sie noch sagen, dass das ein Nachspiel haben würde. Hinten anstellen, dachte ich so bei mir.
Mit Belinda überwintern nun 19 Igel bei uns – fehlt noch Lizbeth (siehe Foto). Sie ist jetzt die einzige Igelin, die noch drinnen gepäppelt werden muss. Lizbeth ist eine Jungigelin, die ebenfalls mit zwei schweren Verletzungen durch (wahrscheinlich) einen Mähroboter am 16.12.2025 gebracht wurde. -Es ist immer dasselbe!
Zum Glück haben wir dieses Jahr auch viele sehr tierliebende Menschen kennengelernt, die ihre eigenen Igel päppelten und uns dann sogar noch Tiere abnahmen – auch zum Überwintern. Denn auch unser Platz draußen ist begrenzt und die Tiere draußen müssen ebenfalls jeden Tag versorgt werden. Zumal noch lange nicht alle schlafen. Jeden Tag muss jedes Gehege gesäubert und kontrolliert werden. Futter muss beigefüllt und Trinkwasser ausgetauscht werden.
Doch so gerne wir den Tieren helfen, irgendwie müssen wir es auch schaffen, uns selbst besser zu schützen! Eine Frau ging hier an meiner Haustür mit den Fäusten auf mich los, als ich ihr sagte, dass ihr Igel tot sei. (Das Tier war zudem schon mindestens 2 oder 3 Tage lang tot.) Möglich, dass die Frau geistig verwirrt war. Andere pöbelten mich an, weil ich die drei mitgebrachten Kinder nicht ins Haus ließ, damit sie Igelchen gucken konnten. Wir wohnen hier wirklich nicht besonders groß. Zudem stand zu der Zeit wirklich alles voll mit großen Ikea-Boxen und Igeln darin. Und leider ist mein Mann auch nicht immer da, um mir zu helfen. So wurde z.B. auch unsere Spendenbox entwendet. Aber ich kann nicht unten im Keller einen Igel versorgen und gleichzeitig schauen, was der Mann der Finderin, die mit mir im Keller ist, vielleicht oben in meiner Wohnung macht! Deshalb, wenn überhaupt, darf nur noch eine Person mit ins Haus, was ebenfalls zu Unmut führt.
Diskussionen, Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen am Telefon von Leuten, die nicht verstehen, warum wir nicht auch noch bis Jever oder ins Emsland fahren können, um Igel abzuholen, waren im August und September beinahe alltäglich. Deshalb können Igelfinder uns nun nur noch per Email erreichen. Erst wenn ich einen Namen, Adresse und Tel.Nr. und die Zusage habe, dass die Leute das Tier erstens bringen und zweitens auch ggf. selbst päppeln, melde ich mich. Nachdem eine Person aus Emden zu Weihnachten drohte, uns den Laden an Silvester abzufackeln und ich die Polizei informieren musste, habe ich auch die Adresse im Impressum geändert. Zwar war die Adresse, die dort hinterlegt war, nie unsere Privatadresse, wo wir auch die Igel pflegen, aber die Adresse hat natürlich einen Bezug zu unserem Verein. Ich möchte allerdings nicht, dass Menschen, die dort arbeiten, und die nicht für das verantwortlich sind, was ich tue und wodurch andere Menschen sich vielleicht genötigt sehen, mir Schaden zuzufügen in Mitleidenschaft gezogen werden. Deshalb steht im Impressum jetzt aus Sicherheitsgründen nur noch eine ladungsfähige Adresse, die aber schön weit weg ist. Aber es ist schon erschreckend, welche Vorsichtsmaßnahmen man heutzutage treffen muss!
Bleibt das Risiko, das mein Mann und ich laufen, wenn wir Igelfindern unsere Adresse geben, damit sie ein Tier zu uns bringen. Wir überlegen, diese Leute künftig auf einen Parkplatz hier in Aurich zu bestellen, wo wir das Tier abholen, damit niemand mehr so leicht erfährt, wo wir wohnen. Andererseits, wenn es sich dann um ein Tier handelt, dass wirklich nur auf Gewicht gebracht werden muss, sodass die Finder selbst päppeln müssen, wird das nicht funktionieren. Ich muss das Tier ja nichtsdestotrotz zuerst untersuchen, entflohen, Zecken entfernen usw. Und natürlich muss ich den Leuten eine Päppelausstattung mitgeben und ihnen so einiges erklären/Fragen beantworten. Und das dauert, auch wenn diese Menschen mich danach jederzeit über WA für Hilfe kontaktieren können. Das alles lässt sich auf einem Parkplatz nur schlecht bewerkstelligen. Andererseits will ich nicht mehr all diese Leute bei mir zu Hause. Zu viele sind einfach nur als unangenehm zu beschreiben . Und das mit der Verpflichtung, ggf. selbst zu päppeln, funktioniert natürlich auch nicht immer. Wir hatten schon Leute, die telefonisch erklärten, sie würden das ajF selbst machen, falls möglich. Nachdem ich ihnen unsere Adresse gab, kamen sie her, stellen den Igel vor die Tür und sind abgehauen. Andere haben tatsächlich versucht, selbst zu päppeln, aber ohne sich wirklich zu kümmern, sodass das Tier letztendlich doch bei mir landete. Ich frage mich wirklich, wie solche Menschen ihre Kinder groß ziehen! Ob sie die auch verwahrlosen lassen? Ein Igel braucht jeden Tag zumindest eine frisch sauber gemachte Box, ein frisches Handtuch, genug Futter und frisches Wasser. Wir können allerdings nicht alle Tiere aufnehmen und jeder, der sein Tier selbst päppelt, schafft dadurch Platz für einen Igel, der schwer verletzt ist.
Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre, einige Tierärzte in Aurich anzuschreiben. Vielleicht könnten Igelfinder ihre Tiere dann zu den Praxiszeiten dorthin bringen und ich würde mich dort mit den Leuten treffen. Das würde das Problem jedenfalls unter der Woche lösen, obwohl die meisten Igel am Wochenende gefunden werden. So würde mein persönliches Umfeld besser geschützt. Die meisten Tierärzte haben zudem mehrere Behandlungszimmer. Vielleicht könnte man mir einen Raum kurzzeitig zur Verfügung stellen, wo ich den Igel in Augenschein nehmen könnte. Ist er verletzt, nehme ich ihn mit. Anderenfalls kann ich ihn dort entflohen etc. und den Findern die Päppelausstattung (gegen Kaution) aushändigen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich jetzt allerdings schon die Auricher Tierärzte, wie sie mir einen Vogel zeigen und denken, bei der piepst wohl. Tja, ich überlege, ob ich das nicht einfach in Kauf nehme.
Auf den letzten beiden Fotos sieht man übrigens unsere Außengehege.
Verantwortliche
Autorin
dieses Blogs:
Kristina Martha Bruins
Dieser Blog ist nicht KI generiert, sondern selbst verfasst!
Blog 20 Jahresrückblick 2025
Bildnachweis:
Alle Fotos stammen aus dem privaten Fundus von Kristina und Theo Bruins.
Copyright 2025 by Kristina Bruins









