Wenn Sie einen Igel finden, der nur so groß wie ein oder zwei Hühnereier ist, müssen Sie SOFORT handeln! Faustregel: Alle Tiere unter 200 Gramm bitte sofort einsammeln. 200 Gramm entspricht ungefähr der Größe von 2 Hühnereiern. Tiere ab 300 Gramm im September, ab 400 Gramm im Oktober und ab 500 Gramm im November bitte nicht einsammeln – so denn sie augenscheinlich nicht verletzt sind, ausgemergelt wirken, sich normal verhalten und nicht tagaktiv sind. Die Tiere lieber bei füttern! Bitte verwenden Sie dazu kein Igelfutter, sondern getreidefreies Katzentrockenfutter mit einem hohem Fleischanteil und am besten für Kitten, weil die Kroketten kleiner sind. Idealerweise besorgen Sie sich auch ein Futterhaus für Igel oder schreiben uns eine Email, weil Sie für eine Spende von 45 Euro eine Futterpalette von uns erwerben möchten. Zur Not tut es aber auch ein Karton in den Sie 2 Eingänge von 10x10cm schneiden. Bitte nicht größer, sonst passt auch eine Katze unter den Karton und frisst den Igeln das Futter weg!
-Das Tier umgehend sichern!
Sie benötigen hierfür ein sauberes Frotteehandtuch, einen Karton, Zeitungspapier.
Legen Sie den Karton mit Papier aus und legen Sie den Igel im Handtuch eingeschlagen in den Karton. Dieser sollte idealerweise mind. 50 cm hoch sein, damit das Tier nicht rausklettern kann. (Anderenfalls den Karton zuklappen. Luftlöcher nicht vergessen!)
Stellen Sie ihm ein flaches Schälchen (z.B. den Deckel eines Marmeladenglases) mit Wasser in den Karton und wenn Sie es haben, getreidefreies Katzennassfutter ohne Gelee oder getreidefreies Katzentrockenfutter, nach Möglichkeit für Kitten. Zur Not tut es aber auch getreidefreies Hundefutter. Bitte dann die Kroketten vorher zerkleinern. Oder Sie kochen ihm ein „schlotziges“ Rührei! Niemals Milch anbieten. Wenn er zu schwach ist, um selbst zu fressen/trinken, träufeln Sie ihm etwas lauwarmen „schlappen“ Tee ein: Fenchel-, Salbei-, Kümmel-, Anistee – so was. Bitte füttern Sie zu Anfang auch nie mehr als nur einen Teelöffel, damit das Igelchen sich nicht überfrisst und daran stirbt. Hat das Tier dies gefressen, 2 Stunden warten und wieder 2 Teelöffel anbieten, usw..
Der Igel muss es unbedingt warm haben: 21 Grad Raumtemperatur. Niemals draußen in Freien stehen lassen! Wenn er sich kalt anfühlt, machen Sie ihm bitte eine Wärmflasche mit handwarmem Wasser. Diese muss allerdings spätestens alle 2 Std. erneuert werden! Legen Sie den Igel in seinem Handtuch darauf. Bitte achten Sie darauf, dass der Karton groß genug ist und der Igel ggf. selbst von der Wärmflasche krabbeln kann.
Und bitte nicht erst selbst versuchen, das Tier weiter zu päppeln.
Suchen Sie sich gleich nachdem Sie das Tier gesichert und die Erstversorgung vorgenommen haben professionelle Hilfe.
Viele Igeljunge, die bei mir abgegeben werden, sind leider voller Fliegeneier – auch wenn die Tiere unverletzt sind! Fliegeneier und Maden müssen SOFORT abgesammelt werden. Das Absammeln geht am besten mit einer spitzen Pinzette. Vor allen Dingen Haut und Fell rund um die Geschlechtsorgane absuchen, unter den Achseln, in den Leisten, Mund und Ohren! Fliegeneier sind klein, weißlich/gelb und stäbchenförmig und werden oft als „Büschel“ von mehreren Eiern abgelegt.
Dies ist ein “va banque spiel”. Einerseits müssen Jungtiere warmgehalten werden, andererseits fördert die Wärme das Schlüpfen von Fliegeneiern.
Maden werden zudem oft gerne übersehen, weil sie gleich nach dem Schlüpfen noch winzig sind. Trotzdem fangen sie gleich an und fressen sich durch die Haut des Igels ins Innere – gerne auch durch die Körperöffnungen.
(Ich hatte schon mehrmals Igel, wo winzige Maden in der Bindehaut des Auges schwammen. Diese sieht/findet man nur mit einer Lupenlampe. Die Maden müssen dann mit einem feuchten Ohrenstäbchen entfernt werden. Außerdem benötigen Sie Rivanol und/oder CapStar. -Dinge, die Sie wahrscheinlich nicht zu Hause haben. Deshalb ist es extrem wichtig, sofort professionelle Hilfe zu suchen!! Vorsicht auch mit Rivanol. Es darf nie in die Augen gelangen, weil es blind macht.)
Wie man Fliegeneier und/oder Maden behandelt, steht ausführlich beschrieben im Blog: TIPPS FÜR SELBSTPÄPPLER
Bei Igelbabys/Jungigeln zählt jede Minute!
Die Frage ist auch, ob Sie tatsächlich ein Igelbaby gefunden haben oder nicht doch eher einen stark untergewichtigen Jungigel. „Echte“ Igelbabys werden nur im August und September gefunden, weil dann die Zeit ist, wo sie zur Welt kommen. (Da, wo ein Igelbaby/Igeljunges gefunden wird, halten sich in der Regel noch mehrere kleine Igel auf. Ein Igelwurf besteht aus bis zu 6 Tieren. Deshalb unbedingt immer die nähere Umgebung absuchen oder die Tiere durch ein Schüsselchen Katzennassfutter versuchen anzulocken. Auch wenn sie das Futter vielleicht noch nicht fressen können, werden sie auf den Geruch zum Vorschein kommen.)
Echte Igelbabys haben ein schrumpeliges Gesicht und keine Zähne. Sie sind maximal so groß wie ein Hühnerei.
Untergewichtige Jungigel sind manchmal nicht wesentlich größer, aber der Kopf ist voll ausgebildet und im Vergleich zum Körper viel zu groß. Außerdem haben sie Zähnchen.
Der Unterschied ist: echte Igelbabys unter 200 Gramm benötigen Katzenaufzuchtsmilch und müssen ggf. auch noch gefüttert werden.
Untergewichtige Jungigel fressen – so denn sie noch dazu in der Lage sind – selbstständig. Und auch wenn sie nur 100 Gramm oder weniger wiegen, bekommen sie keine Katzenmilch mehr. Allerdings muss man darauf achten, dass sie sich nicht überfressen und daran sterben. Deshalb bei unterernährten Jungigeln immer erst nur einen Teelöffel Futter anbieten.
Aber ob nun echtes Igelbaby oder untergewichtiger Jungigel: bringen Sie das Tier möglichst schnell zu einem erfahrenen Igelpfleger/Igelpäppler.
Wenn Sie das Tier gerne selbst päppeln möchten und sein Zustand dies erlaubt, wird man Ihnen dabei bestimmt behilflich sein. Jedenfalls handhabe ich das so. Beachten Sie aber auch, dass das Tier dann wahrscheinlich bei Ihnen überwintern muss. Ab November kann man Jungigel nicht mehr auswildern. Dazu benötigen sie zudem ein Gewicht von mindestens 600 Gramm. Deshalb lässt man sie in einem (vorzugsweise) Kaninchengehege auf dem Rasen und in einem Schlafhaus mit Stroh überwintern. Auch hierbei können Ihnen erfahrene und seriöse Päppler helfen. (Eine Plastikbox mit Katzenstreu und ein Schuhkarton als (Winter)Schlafplatz sind bspw. kein Aufbewahrungsort für einen Igel!)
Wichtig: Päppeln Sie einen Jungigel (kein Igelbaby) und er nimmt drei Tag in Folge ab und Sie können einen Befall mit Innenparasiten schon ausschließen, weil die entsprechende Kotuntersuchung negativ war, kann es sein, dass er eine (bakterielle) Lungenentzündung hat. Dann braucht er ebenfalls Amoxicillin (Breitbandantibiotikum), z.B. Duphamox oder Trymox, welches ihm mindestens 4x alle 48 Stunden subkutan verabreicht werden muss und am besten auch gleich 0.05ml Hexadreson (Cortison). Das Cortison sollte zusammen mit ca. 0.5ml Vitamin-B-Komplex zusammen in einer Spritze aufgezogen und subkutan verabreicht werden. Nach 4 Tagen, also bei der Gabe der dritten Antibiotikaspritze, die Gabe von Cortison/Vit.B. wiederholen. Das Cortison regt zudem den Appetit an, sorgt aber auch einige Tage dafür, dass ihr Igel vielleicht Wasser einlagert. Wenn ihr Igeljunges drei Tage infolge abnimmt, sollten Sie auch anfangen, es tagsüber alle 2-3 Stunden zuzufüttern. Dazu pürieren Sie mit einem Stabmixer hochwertiges Katzennassfutter/Pate mit Fencheltee oder Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, bis dass eine Flüssigkeit entsteht, die von der Konsistenz nur noch so dick wie Trinkjoghurt ist. Dieses Futter ziehen Sie in Spritzen von 5ml auf und füttern damit Ihren Igel. Dazu nehmen Sie das Tier aufrecht in eine Hand und füttern es mit der anderen Hand seitlich ins Mäulchen. Öffnen Sie mit der Spritzenspitze vorsichtig die Lippen und drücken Sie etwas Futter heraus, sodass der kleine Kerl merkt, da kommt was Leckeres – dann wird er auch sein Mäulchen öffnen. Manchmal hilft auch Schmatzen. Die meisten Tiere um die 200 Gramm nehmen gleich zu Anfang schon komplette 5ml. (Ich habe so schon Jungigel von 250 Gramm gefüttert, die partout nicht selbst fressen wollten, aber bei mir pro Fütterung 15ml verputzten.) Wenn der Igel satt ist oder eine Pause braucht, wird er ein Pfötchen heben, wie um Stopp zu sagen. Beim ersten Stopp warten Sie einige Sekunden und versuchen es erneut. Erst wenn er zweimal gleich hintereinander Stopp signalisiert, ist er wirklich satt.
Bitte nicht nachts füttern, sonst ziehen Sie ein Flaschenkind groß! Zwischen 20.00 Uhr und 8.00 Uhr soll der Igel nach Möglichkeit selbst fressen.
Tipp: Wiegen Sie ihn morgens vor der ersten Fütterung und abends nach der letzten. Hat er bspw. von morgens 8.00 bis abends 20.00 Uhr 10 Gramm zugenommen und wiegt am nächsten Morgen trotzdem weniger als am Morgen des Tages zuvor, braucht er wirklich Antibiotika und Cortison. Vor allen Dingen, wenn Sie ihn auch noch niesen hören.
Autorin für die Veröffentlichung:
Kristina Martha Bruins
Igelbabys und (untergewichtige) Jungigel
Bildnachweis: 1 Copyright by Kristina Martha Bruins 2024

